Forschungsressort
»Politik«

Im Forschungsressort »Politik« wird nach dem heterogenen Umgang von Jüdinnen und Juden mit den politischen Herausforderungen ihrer Zeit gefragt. Anders als in der Epoche der Aufklärung angenommen, sahen sie sich bis ins 20. Jahrhundert keinesfalls mit einer geradlinigen Entwicklung, sondern mit einer Pendelbewegung aus Gewährung und Rücknahme staatsbürgerlicher, sprich: politischer Gleichheit konfrontiert. Davon ausgehend stehen Fragen der Zugehörigkeit, ihrer Grenzen und Begrenzungen im Mittelpunkt der Ressortarbeit. Sie gliedert sich in drei Schwerpunkte.

Der Forschungsschwerpunkt »Utopien« geht der immensen Anziehungskraft nach, die politische Zukunftsentwürfe, insbesondere innerhalb der Arbeiterbewegung und der Linken, seit dem 19. Jahrhundert auf viele Jüdinnen und Juden ausübten.

Der Schwerpunkt »Gewalterfahrung« kreist um die diversen Formen von Gewalt, der Jüdinnen und Juden im 20. Jahrhundert ausgesetzt waren – von den Eruptionen nach dem Ersten Weltkrieg bis hin zum Spätstalinismus –, sowie um die Auslöschung jeglicher Erfahrung im Holocaust.

Der Forschungsschwerpunkt »Pluralität und Säkularisierung« arbeitet die historischen und ideengeschichtlichen Ursachen und Folgen regional und national unterschiedlicher Pluralitätsvorstellungen heraus und betont deren Kehrseite: die Tendenz zur ethnischen Homogenisierung, der Jüdinnen und Juden in besonderer Weise unterlagen.

Forschungsressortleiter
PD Dr. Jan Gerber

Stellvertretener Forschungsressortleiter
Jakob Stürmann