Forschungsressort
»Wissen«

Das Forschungsressort »Wissen« widmet sich den Transformationen der modernen jüdischen Geschichtserfahrung in Begriffe, Texte und Narrative. Durch die – teils erzwungene, teils selbstbestimmte – Migration von Jüdinnen und Juden wanderte auch ihr Wissen und passte sich an neue Gruppenkonstellationen, Räume und Sprachen an. Das Verhältnis von Individuum und Kollektiv, Zugehörigkeit und Differenz sowie Tradition und Modernität stand dabei in einem ständigen Aushandlungsprozess, der sich in drei Forschungsschwerpunkten des Ressorts widerspiegelt.

Der Schwerpunkt »Wissenstransformation« untersucht Wissens- und Traditionsbestände unter den Bedingungen von räumlicher und sozialer Bewegung, einerseits anhand der Gelehrtengeschichte einzelner Persönlichkeiten und ihres Selbstverständnisses, andererseits anhand des Transfers ganzer Wissensbereiche und Forschungszweige.

Der Schwerpunkt »Literaturen und Textualität« nimmt jüdische Autorinnen und Autoren in Mittel- und Osteuropa in den Blick und behandelt in Form exemplarischer Studien die jiddische und hebräische modernistische Dichtung und Essayistik wie auch die Publizistik, den Buchdruck und das Verlagswesen.

Der Schwerpunkt »Das andere Wissen« widmet sich spezifisch jüdischen Erfahrungen, die bestimmten Forschungsgebieten inhärent sind und sich vom Wissenskanon der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Beispielhaft wird anhand der Sprachkritik, etwa von Victor Klemperer, H. G. Adler, Nachman Blumenthal und Joseph Wulf, die Zäsur durch den Holocaust aufgezeigt.

Forschungsressortleiter
Prof. Dr. Jörg Deventer
(in Vertretung von Dr. Nicolas Berg)

Stellvertretener Forschungsressortleiter
Dr. Enrico Lucca