Ressort Wissen

Die Botschafter von Jiddischland

Der jiddische PEN-Club und seine internationale Fürsprache und Repräsentation

Das Dissertationsprojekt untersucht die Geschichte des jiddischen PEN-Clubs und beleuchtet, wie er die jiddische Literatur innerhalb des internationalen PEN repräsentierte, welche Themen er aufwarf und welche Strategien er anwandte, um jiddische und jüdische Anliegen zu vertreten. Lange als »Jargon« herabgesetzt, war die Aufnahme in die Schriftstellervereinigung PEN International 1927 ein bedeutsamer Schritt für die Anerkennung des Jiddischen als Literatursprache. Mit Hauptsitz in Wilno und Zweigstellen in Warschau und New York spiegelte der jiddische PEN-Club die Transterritorialität der jiddischen Literatur auch institutionell wider. Seine Gründung verlieh schließlich der Idee eines länderübergreifenden und sprachlich konstituierten »Jiddischlands« wirkungsvoll Ausdruck.

Die Mitglieder zählten nicht nur zu den bekanntesten Literatinnen und Literaten, sondern waren auch Kulturaktivisten im breiteren Sinne. Im PEN vertrat der jiddische PEN-Club die jiddische Literatur erstmals innerhalb einer internationalen Organisation. Trotz des beachtlichen Erfolgs hinsichtlich der internationalen Anerkennung ihrer Literatur sahen die jiddischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Kultur von den 1920er Jahren bis in die 1960er Jahre, dem Untersuchungszeitraum der Dissertation, existenziellen Bedrohungen ausgesetzt. Sprachliche Assimilierung, Wirtschaftskrise, Antisemitismus, nationalsozialistische Verfolgung und die Ermordung von Millionen jiddischsprachiger Menschen – Leser:innen wie Schriftsteller:innen – sowie stalinistische Repressionen und die Liquidierung sowjetisch jiddischer Schriftsteller gefährdeten die Zukunft des Jiddischen auf unterschiedliche Weise. Die Dissertation beleuchtet die verschiedenen Reaktionen des jiddischen PEN-Clubs auf die stetige Ungewissheit der zukünftigen Existenz seiner Kultur.