Berlin/Jerusalem. Schockens Gärten
Kuratorinnenführung mit Dr. Caroline Jessen
Am Donnerstag, 5. November 2026, 14 Uhr, führt Kuratorin Dr. Caroline Jessen durch die Ausstellung »Berlin/Jerusalem. Schockens Gärten«. Diese nimmt die Jahre der Flucht und Auswanderung von Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 aus einer prekären Perspektive in den Blick. Die Schaffung eines riesigen Gartens in Jerusalem in den Jahren 1936 bis 1940 durch die Familie Schocken steht quer zur disruptiven Wucht und Vernichtung in Europa. Es ist eine besondere, keine exemplarische Geschichte.
Salman Schocken (1877–1959) baute mit seinem Bruder Simon (1874–1929) aus einem Kaufhaus in Zwickau eine der modernsten Warenhausketten der Weimarer Republik auf. Dieser Erfolg ermöglichte es ihm, Kunst, Kultur und soziale Projekte zu fördern. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler entschieden Salman Schocken und seine Frau Lili (1889–1958), Deutschland mit ihren Kindern zu verlassen; die Warenhäuser wurden Ende 1938 weit unter Wert verkauft.
Das Ha’avara-Abkommen (Transfer Agreement) 1933 ermöglichte es deutschen Jüdinnen und Juden, einen Teil ihres Vermögens durch eine Auswanderung nach Palästina zu retten: Für Geldwerte, die auf ein Treuhandkonto eingezahlt wurden, durften Baumaterialien und Waren exportiert werden. Das von Erich Mendelsohn (1887–1953) für Schocken in Jerusalem geschaffene Haus mit Garten und die Schocken-Bibliothek waren Produkte dieser Gegebenheiten.
Das Archiv der Schocken-Bibliothek dokumentiert die Situation der Familie angesichts der Entrechtung in Deutschland und des aufgezwungenen Neuanfangs in Palästina. Es unterstreicht die besondere Bedeutung, die Lili und Salman Schocken dem Garten in Jerusalem in diesen Jahren beigemessen haben.
Mit seinen neuen und vertrauten, zur Anpassung gezwungenen Pflanzen ist der Garten ein Emblem der Migration. Zugleich hat er eine lange Ideengeschichte im Nachdenken über die Schaffung einer guten Ordnung. Schockens Garten wurde zum gestaltbaren Gegenort.
Das Bau- und Gestaltungsprojekt in Jerusalem wirkt angesichts der Ereignisse in Europa und in Palästina unwirklich. Doch der Garten wurde temporär zum lebendigen Gegengewicht einer Zeit der Unsicherheit, Überforderung und Zerstörung.
Besichtigung und weitere Führungen
Die Besichtigung der Ausstellung wird im Rahmen von öffentlichen Führungen möglich sein. Erste Termine hierfür werden zeitnah bekannt gegeben.
Gruppen können auf Absprache Führungen buchen.
Die Ausstellung wird bis Herbst 2028 im Institut zu sehen sein.
Kontakt für Führungsanfragen
Dr. Julia Roos
E-Mail: roos(at)dubnow.de
Telefon: 0341 21 735 753
Donnerstag, 5. November 2026, 14 Uhr
Dubnow-Institut, Leipzig
Die Ausstellung ist aus der Zusammenarbeit zwischen dem Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, dem JTS Schocken Institute for Jewish Research in Jerusalem und der Familie Schocken hervorgegangen. Das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus hat die Ausstellung im Rahmen der Förderung des Projekts »›Betrieb und Idee‹. Salman Schockens Universum im Jerusalemer Archiv« möglich gemacht. Im Zentrum des Forschungsprojekts des Dubnow-Instituts steht das in Jerusalem bewahrte Schocken-Archiv als transnationaler Wissensspeicher jüdischer Geschichte und Kultur.