Das Objekt zum Subjekt machen

Das Verbundvorhaben »Das Objekt zum Subjekt machen. Jüdische Alltagskultur in Deutschland vermitteln« verbindet kulturgeschichtliche Grundlagen- mit anwendungsorientierter Schulbuchforschung und bereitet die Ergebnisse praxisbezogen für Lehrkräfte auf. Es beabsichtigt keine Erforschung der Geschichte des Antisemitismus im klassischen Sinne. Vielmehr setzt das Projekt auf Bildung und Wissensvermittlung im Bereich jüdischer Geschichte, Kultur und Religion. Es geht davon aus, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland zu einer Engführung jüdischer Geschichte auf einen vermeintlich ausschließlichen Erfahrungszusammenhang von Verfolgung, Antisemitismus und Holocaust geführt hat, hinter dem die Pluralität jüdischen Lebens in Europa zurücktritt. Damit einher geht ein fragmentiertes oder vermindertes Wissen über die religiöse und lebensweltliche Praxis von Jüdinnen und Juden – ein Defizit, das durch mangelnde unmittelbare Erfahrung verstärkt wird. Diesen isolierenden Betrachtungsweisen und stereotypen Wahrnehmungen will das Projekt fundiertes und leicht zugängliches Wissen über jüdische Geschichte und Kultur entgegensetzen.

Konkret werden zum einen Grundkenntnisse sowohl über religiöse Praktiken als auch über den Wandel der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland in verschiedenen Publikationsformaten vermittelt. Zum anderen geht es um die Frage, inwieweit Materialien des Schulunterrichts, der politisch-historischen Bildung, aber auch populäre Geschichtsdarstellungen Fehlwahrnehmungen und Wissenslücken transportieren und reproduzieren. Die Ergebnisse münden in der Konzeption neuer Unterrichtsmaterialien, Handreichungen sowie Fortbildungen. Insgesamt drei Teilprojekte werden in enger Abstimmung mit ausgewiesenen Kooperations- und Praxispartnern bearbeitet.

 

Im Rahmen von Teilprojekt 1 entstehen am Dubnow-Institut:

  • vier toldot-Bände mit Fallstudien zu Gegenstand, Diskursen und Wandel jüdischer Alltagskultur in Deutschland

 

Im Rahmen von Teilprojekt 2 entsteht am Georg-Eckert-Institut:

  • eine wissenschaftliche Monografie über die Verbreitung stereotyper Vorstellungen von Juden und Judentum in deutschsprachigen Geschichtsschulbüchern und populärwissenschaftlichen Geschichtsmagazinen

 

Im Rahmen von Teilprojekt 3 entstehen unter Mitarbeit des Arbeitskreises Deutsch-Jüdische Geschichte im Verband der Geschichtslehrer Deutschlands e.V. 

  • drei Themenhefte für den Unterricht der Sekundarstufe I und II
  • Fortbildungen für Multiplikator/innen aus dem Bereich der schulischen und historisch-politischen Bildung
  • Empfehlungen für Schulbuchautor/innen

 

Das Forschungsprojekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Richtlinie zur Förderung von Forschungsverbünden auf dem Gebiet der Antisemitismusforschung »Aktuelle Dynamiken und Herausforderungen des Antisemitismus« für einen Zeitraum von vier Jahren gefördert.