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Vom Ringelblum-Archiv und dem Jüdischen Historischen Institut

Sonderführung durch die Ausstellung »Der bestimmende Blick«

Schwarz-Weiß-Fotografie mehrerer Personen, die um einen Tisch heraumstehen oder sitzen und Dokumente auswerten; davor, auf zwei Stühlen, zwei alte Milchkannen.
Sichtung des zweiten Teils des Ringelblum-Archivs (geborgen am 1. Dezember 1950). Von links nach rechts: Adam (Rosenberg) Rutkowski (stellvertretender Direktor des JHI), Bernard (Ber) Mark (ab 1949 Direktor des JHI), ein Unbekannter, Tatiana Brustin-Berenstein (Historikerin, ab 1946 Jüdische Historische Kommission und JHI), und Hersz Iwan (Mitarbeiter des JHI), Warschau, Dezember 1950. Quelle: Yad Vashem.

Am 18. September 1946 wurde in den Ruinen Warschaus der erste Teil des sogenannten Ringelblum-Archivs entdeckt. Das einzigartige Material hatte eine Untergrundgruppe, die sich »Oyneg Shabes« nannte, unter der Leitung des Historikers Emanuel Ringelblum im Ghetto zusammengestellt. Im Bewusstsein der beispiellosen Verbrechen um sie herum, sammelten ihre Mitglieder vielfältige Dokumente und sicherten damit Beweise für die Nachwelt. Das Archiv, das sie 1942 und 1943 vergruben, ist eine der wichtigsten Sammlungen zu jüdischem Leben und Sterben während des Holocaust. Es enthält persönliche Berichte von Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und sozialer Hintergründe, statistische und organisatorische Daten, offizielle deutsche Unterlagen sowie zahlreiche weitere Materialien. Der zweite Teil des Archivs wurde 1950 gefunden.

Zugleich ist die im Warschauer Jüdischen Historischen Institut verwahrte Sammlung ein bedeutendes Beispiel jüdischer Selbstbehauptung während des Holocaust. Sie steht für einen der ersten Versuche, die Ermordung der Jüdinnen und Juden Europas im Moment des Geschehens selbst zu dokumentieren und zu bewahren. Dennoch ist das Archiv in Deutschland jenseits der akademischen Forschung kaum bekannt.

Zum 79. Jahrestag des Auffinden des ersten Teils des Archivs bieten wir am Donnerstag, 18. September 2025, 16 Uhr eine Sonderführung durch die Ausstellung »Der bestimmende Blick. Bilder jüdischen Lebens im Nachkriegspolen« an. Diese entstand gemeinsam mit dem Jüdischen Historischen Institut Emanuel Ringelblum in Warschau, das eine der bedeutendsten Sammlungen zur polnisch-jüdischen Geschichte bewahrt. Ein einzigartiger Bildbestand insbesondere von Fotoalben gibt Einblick in die Ambivalenz der ersten Nachkriegsjahre.

Donnerstag, 18. September 2025, 16 Uhr
Dubnow-Institut, Leipzig