Filmreihe »Sprachlandschaften«

Programm
Eintritt:
Die Tickets für die Filme der Reihe werden regulär über die Passage Kinos angeboten.
Weitere Informationen
Die Filmreihe des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow nimmt die sprachliche Diversität jüdischen Lebens und jüdischer Kultur zum Ausgangspunkt. Sprache ist zentraler Ausdruck von Zugehörigkeit, von Erfahrungen und Erinnerungen, ist aber auch Marker des Verlusts ganzer Lebenswelten. Gewalt, Krieg, Vertreibung und Ermordung führten Mitte des 20. Jahrhunderts auch zur Zerstörung jüdischer »Sprachlandschaften«.
Unter vollständig veränderten Rahmenbedingungen bestand die Diversität jüdischer Sprachen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust fort und entwickelte sich neu. Die Filme der Reihe spannen deswegen einen zeitlich weiten Bogen und stammen aus verschiedenen Jahrzehnten. Sie bieten etwa Einblick in das Fortleben des Ladino in Israel, den Niedergang der deutschen Sprache in der Bukowina nach dem Zweiten Weltkrieg, oder verhandeln Deutsch und Russisch als jüdische Sprachen in Israel von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die jüngste Gegenwart. Die Reihe versucht damit den kulturellen Reichtum aufzufächern, der im 20. Jahrhundert zum großen Teil verloren gegangen ist.
Das von Albert Wiederspiel, dem ehem. Leiter von Filmfest Hamburg, und Yfaat Weiss, Direktorin des Dubnow-Instituts, kuratierte Format von internationalen Spiel- und Dokumentarfilmen lädt zudem ein, mit Filmschaffenden und weiteren Expert:innen über dieses Thema ins Gespräch zu kommen.
Kooperationspartner sind das Internationale Graduiertenkolleg »Belongings« und Anna Artwińska, Professorin für Slawistische Literaturwissenschaft und Kulturstudien der Universität Leipzig.
Programm
Mittwoch, 21. Oktober, 18.00 Uhr
Eröffnung: Anna Artwińska und Albert Wiederspiel
»Herr Zwilling und Frau Zuckermann«
(Dokumentarfilm, Regie: Volker Koepp, D 1999, 126 Min.)
Einst war die Stadt Czernowitz im Westen der Ukraine ein Zentrum jüdischer Kultur in der Bukowina, das über Jahrhunderte hinweg von einem Vielvölkergemisch geprägt war. Der 70-jährige Herr Zwilling und seine 91-jährige Bekannte Frau Zuckermann gehören zu den wenigen jüdischen Überlebenden der Shoah.
Nachgespräch:
Im Anschluss Gespräch mit dem Historiker Nicolas Berg;
Moderation: Jörg Deventer
Mittwoch, 4. November, 18.00 Uhr
»Nemt: A Language Without a People for a People Without a Language« – OmeU
(Dokumentarfilm, Regie: Michel Grosman und Izabelle Rozenbaumas, USA 2004, 91 Min.)
Der Dokumentarfilm ist ein Versuch, den Stellenwert des Jiddischen in der heutigen Welt neu zu definieren. Eine der Filmemacherinnen kehrt hierzu in ihre Heimat Litauen zurück und sucht Anknüpfungspunkte an eine Geschichte, die durch den Holocaust und die Sowjetunion jäh unterbrochen wurde.
Nachgespräch:
Im Anschluss Gespräch mit der Historikerin Jurgita Verbickienė und mit dem Regisseur Michel Grosman;
Moderation: Jakob Stürmann
Montag, 16. November, 18.00 Uhr
»In Search of Ladino« – – Hebräisch und Ladino mit englischen Untertiteln
(Dokumentarfilm, Regie: David Perlov, Israel 1981/2017, 49 Min.; Restaurierung: Perlov Family, Yad Vashem and the Israeli Film Service)
Der Film ist ein vergessenes Wahrzeichen der Holocaust-Kinematographie: Als einer der ersten Filme dokumentiert er die Zeugnisse und Lieder ladinisch sprechende Überlebender in Israel.
»Fragments« – OmeU
(Dokumentarfilm, Regie: Yonatan Haimovich, Israel 2009, 50 Min)
In den siebziger Jahren zogen viele Jüdinnen und Juden aus der Sowjetunion nach Jerusalem. In den Straßen seiner Kindheit sucht ein Mann nach Spuren dieser fast verschwundenen Gemeinschaft.
Mittwoch, 2. Dezember, 18.00 Uhr
»Chaja und Mimi« – OmdU
(Dokumentarischer Kurzfilm, Regie: Eric Esser, Deutschland 2009/2013, 10 Min.)
Die Freundinnen Chaja Florentin und Mimi Frons mussten 1934 aus Berlin nach Palästina fliehen. In einem Café in Tel Aviv erzählen sie von ihrer ambivalenten Beziehung zu Berlin.
Nachgespräch:
Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Eric Esser
»Der Klang der Worte« – OmdU
(Dokumentarfilm, Regie: Gerhard Schick, Deutschland 2008, 70 Min.)
Eine Gruppe älterer Menschen in Jerusalem liest ihre Gedichte auf Deutsch. Auch junge Israelis lernen seit Kurzem wieder Deutsch. Der Film erzählt sowohl von einer schmerzhaften Erfahrung als auch von einer nicht ganz unparteiischen Neugier.
Nachgespräch:
Im Anschluss Gespräch mit dem Regisseur Gerhard Schick;
Moderation: Thomas Sparr
Mittwoch, 16. Dezember, 18.00 Uhr
»Synonymes«
(Spielfilm, Regie: Nadav Lapid, Frankreich/Israel/Deutschland 2018, 124 Min.)
Der Film erzählt von einem jungen Israeli in Paris, für den sein Leben im eigenen Land unerträglich wurde. Um Franzose zu werden und seine Herkunft hinter sich zu lassen, versucht er, seine Sprache zu ersetzen.
Nachgespräch:
Im Anschluss Gespräch mit dem Filmemacher und Linguisten Benjamin Freidenberg
Auftakt: 21. Oktober, 18 Uhr, weitere Termine: 4.11., 16.11., 2.12., 16.12.2026, jeweils 18 Uhr
Passage Kinos Leipzig