Workshop

Reparatur(en). Verfahren der Wiederherstellung zerstörter Wissens- und Erfahrungsbestände

ZfL-DI-Workshop: Jüdische Geschichte und Literaturforschung

Fragen der »Reparation« und »Restitution« sind lange Zeit vor allem in Hinsicht auf die westdeutsche, so genannte Wiedergutmachungspolitik nach dem Holocaust diskutiert worden, wenn es um die Rückgabe und Entschädigung von Eigentum insbesondere der jüdischen Verfolgten des Nationalsozialismus ging. Für neue Impulse in der Debatte sorgten die 1998 erklärten Washingtoner Prinzipien, die den Umgang mit Kulturraubgut aus dem Nationalsozialismus in internationalen Sammlungseinrichtungen fortan leiten sollen. Schließlich sind im Anschluss an den vieldiskutierten Bericht über die Restitution afrikanischer Kulturgüter von Felwine Sarr und Bénédicte Savoy (2018) und die darauf folgende Auseinandersetzung um den Umgang mit kolonialen Sammlungen im Berliner Humboldt Forum auch andere Weltgegenden und historische Epochen in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit getreten. Im Hintergrund steht dabei die Frage, ob und wenn ja, wie vergangenes Unrecht sichtbar gemacht und entschädigt werden kann.

Das Bedürfnis nach einem umfassenden gesellschaftspolitischen Verständnis solcher Verfahren der Restitution und Wiedergutmachung hat beispielsweise zur Gründung des Käte Hamburger Kolleg Kulturelle Praktiken der Reparation in Saarbrücken geführt. Dort werden individuelle und kollektive Reparationsprozesse in einer globalisierten Welt in transmedialer und transnationaler Perspektive untersucht. Forschungen widmen sich Erinnerungskulturen und geschichtspolitischen Diskursen, individuellen Verlusterfahrungen sowie allgemeinen kulturökologischen Fragen.

Der interne Workshop nimmt diese Debatten und Forschungsansätze zum Ausgangspunkt, anhand laufender Forschungsprojekte aus dem DI und dem ZfL unterschiedliche Ideen und Vorstellungen, symbolische Bedeutungen und Praktiken von Provenienzforschung, Reparation und Restitution zu diskutieren. 

 

Freitag, 28. November 2025
Dubnow-Institut, Leipzig

Gemeinsamer Workshop des Leibniz-Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow Leipzig (DI) und des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL)

Bisherige Workshops:

Theoriegeschichte und jüdische Geschichte (2017)
Zeitbeobachter. Beschreibungen der Gegenwart in der Moderne (2018)
Das kurze Leben der sowjetisch-jiddischen Literatur (2019)
Schulen, Gruppen, Stile. Denken, kollektiv betrachtet (2020)
Epochenschwellen und Epochenzäsuren (2021)
Unvollendetes, Zerbrochenes, Verlorenes: Über das Fragment (2023)
Freundschaftsbriefe im 20. Jahrhundert (2024)