Workshop

Juristische Zeugenschaft von NS-Verfolgten

Quellen, Kontexte, Deutungen

Zahlreiche jüdische wie nichtjüdische Verfolgte sahen in der juristischen Ahndung der nationalsozialistischen Verbrechen eine Möglichkeit, Taten und Verantwortliche öffentlich zu benennen, von ihren Erfahrungen zu sprechen und der Opfer zu gedenken. Die in Europa und Israel durchgeführten Ermittlungen und Strafverfahren haben daher eine kaum überschaubare Anzahl von Aussagen und Berichten von Überlebenden hervorgebracht. Status und Wert dieses Materials werden seit Langem unterschiedlich eingeschätzt. Mit dem interdisziplinären Workshop soll überprüft werden, inwieweit die Aussagen solcher »Opferzeugen« unser Wissen über den Nationalsozialismus und über die Formen des Sprechens und Erinnerns von Verfolgten in den verschiedenen Nachkriegsjahrzehnten und Erinnerungsgemeinschaften erweitern können. Dafür ist eine Diskussion methodischer Zugänge und Fragestellungen notwendig.

Wichtig erscheint erstens, die Strafverfahren als Entstehungsraum der Zeugnisse ernst zu nehmen und damit auch das juristische Setting als Ort einer gemeinsamen Sprachfindung von Zeugen und Juristen über den Holocaust zu untersuchen. Zweitens soll gefragt werden, welcher Gebrauch von diesen Zeugnissen aktuell gemacht wird, welche Interpretationsansätze es gibt und inwieweit sie uns helfen können, Fragen zur Verfolgungs- und Nachkriegsgeschichte zu beantworten. Drittens geht es um Verbindungen zwischen den Zeugnissen aus dem juristischen Kontext und anderen Formen der Zeugenschaft des Holocaust. Dazu gehört auch die Frage, ob die spezifischen Anforderungen der juristischen Zeugenschaft Spuren in anderen Formen des Sprechens über den Holocaust hinterlassen haben.

26. Juni 2017
Dubnow-Institut

Begrüßung und Einführung: Dagi Knellessen (Leipzig) & Katharina Stengel

(Leipzig/Frankfurt a. M.)

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)