Workshops 2010

18. Juni 2010  

Erste Geschichtsschreiber – Über die Anfänge der jüdischen Holocaustforschung

 

Viele Jahre war die Auffassung notorisch, die geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung des Holocaust sei nach langer Latenzphase erst Anfang der 1960er Jahre in Gang gekommen, wesentlich ausgelöst von den damals ein­setzenden Gerichtsverfahren wie dem Ulmer Einsatzgruppenprozess, dem Eichmann-Prozess in Jerusalem und dem Frankfurter Auschwitz-Prozess. Inzwischen hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt, weil vornehmlich jüngere Forscherinnen und Forscher die Arbeit und die Bedeutung der Jüdischen Historischen Kommissionen in den Blick nahmen. Diese hatten bereits in der Endphase des Krieges  wie unmittelbar danach sowohl mit der Sammlung und Publikation von Dokumenten als auch mit ersten historischen Darstellungen begonnen. Die aus Überlebenden der Shoah sich zusammensetzenden Kommissionen bildeten die erste Generation  von Holocaust­forschern. In den folgenden Jahren versuchten sie, das Thema in die Öffentlichkeit derjenigen Länder zu tragen, in denen sie sich nach dem Krieg niederließen: in Polen, Frankreich, Israel, den Vereinigten Staaten und Deutschland.

 

Der Workshop möchte exemplarische Fallstudien zu diesen ersten Anfängen ver­gleichend untersuchen. Ziel ist es, einen vertieften Blick auf diejenigen Personen und deren Werke zu werfen, die doch lange Zeit vernachlässigt worden waren und/oder an Universitäten oder generell in der akademischen Öffentlichkeit  keine Anerkennung fanden. Dem präzisen, reichen und viel­gestaltigen historio­gra­phischen Erbe dieser frühen jüdischen Holocaustforscher ist – so die zu überprüfende These des Workshops –, ein Erfahrungs­wissen eigen, das aus heutiger Perspektive in vielerlei Hinsicht die späteren Forschungen vorwegnimmt. Die Teilnehmerinnen und Teil­nehmer möchten  den Versuch einer ersten und vorläufigen Bilanz dieser Anfänge unternehmen.

 

Programm