Workshops 2009

15. bis 16. Januar 2009

Textgelehrte

Literaturwissenschaft und literarisches Wissen im Umkreis der Kritischen Theorie

 

 

Das Simon-Dubnow-Institut wird im Januar zusammen mit Prof. Dr. Dieter Burdorf vom Institut für Germanistik an der Universität Leipzig eine international besetzte Fachtagung zum Verhältnis von Literaturwissenschaft und Kritischer Theorie durchführen. Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler, Philosophen und Kulturhistoriker werden zwei Tage das Werk von Theodor W. Adorno, Siegfried Kracauer, Walter Benjamin, Gershom Scholem, Leo Löwenthal, Herbert Marcuse, Hans Mayer, Ernst Bloch, Peter Szondi, Erich Auerbach und Robert Minder (u. a.) diskutieren.

 

Ziel der geplanten Konferenz ist es, die auf den Bereich der Literatur bezogene Grundhaltung der Intellektuellen im engeren und weiteren Umkreis der Kritischen Theorie als Textgelehrsamkeit zu verstehen. Mit der Begriffsprägung der »Textgelehrsamkeit« sollen zum einen die Bezüge zur traditionellen, vormodernen Figur des Schriftgelehrten in Erinnerung gehalten werden, zum anderen wird dabei das kritische Verhältnis der Frankfurter Schule zur bürgerlichen Typologie der Bildung herausgestellt.

 

Es wird zwischen rezeptiven und produktiven Zugangsweisen dieser Gelehrten zum Text und zu Textformen unterschieden:

 

Leseweisen: Welche Texte der kulturellen Überlieferung sowie der zeitgenössischen kulturellen Produktion wählten die Textgelehrten für ihre Lektüre und ihre Kommentierungen aus? Ergibt sich dabei ein bestimmter Kanon? In welchem Verhältnis stehen dabei Bibel, Klassiker des bürgerlichen Bildungskanons verschiedener Sprachen und die aktuellen Texte der literarischen Moderne? Welche Haltung nahmen die Vertreter der Kritischen Theorie zu ihrer Lektüre ein? Welche Grundfragen der Hermeneutik – Allusion, Zitat, Kommentar, Analyse – werden dabei sichtbar gemacht?

 

Schreibweise: Welche differenzierten Techniken der Textproduktion sind bei den betreffenden Intellektuellen erkennbar? Die Textgelehrten der Kritischen Theorie bevorzugten bestimmte, in der akademischen Welt (zumal unter Karrieregesichtspunkten) eher als marginal angesehene Textformen: gerade nicht die Abhandlung (Monographie und Fachaufsatz), sondern Formen wie Essay, Rezension, Fragment, Brief, Aphorismus. Zu fragen ist, inwiefern diese Verschiebung durch die allgemeine Veränderung der dominanten Schreibweise in der akademisch-intellektuellen deutschsprachigen Welt seit 1990 bedingt ist und ob diese auf die spezifische Lebenssituation der zu untersuchenden Intellektuellengruppe sowie auf deren eigene Konzepte von Text zurückzuführen ist.

 

Zunächst ist dabei die Stellung mancher jüdischer Textgelehrte außerhalb oder am Rande des akademischen Betriebs während der Weimarer Republik zu nennen. Noch stärker wurde die Textproduktion durch die Exilsituation beeinflusst, in die nahezu alle der Textgelehrten seit 1933 gezwungen wurden. Damit kam für sehr viele das Problem der Sprache hinzu, in der geschrieben werden konnte, so dass für die produzierten Texte auch Leser gefunden werden konnten. Unter diesem Aspekt erweist sich die Rückkehr vieler dieser Intellektuellen nach 1945 in einen der deutschen Staaten primär als Rückkehr in den deutschen Sprachraum.

 

Programm

 

 

4. bis 5. Mai 2009

Zwischen Imperialität und Nationalstaat:

Jüdische Partizipation in ostmitteleuropäischen Selbstverwaltungen, 1918–1939

 

Ort: Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig, Goldschmidtstraße 28, 04103 Leipzig

 

Die Erforschung der städtischen Selbstverwaltungen in Ostmitteleuropa hat hier – anders als im Westen – seit den achtziger Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Die Selbstverwaltung situiert sich im Schnittbereich zwischen Staat und Bürgern, zwischen Verwaltung und Privatinteressen – ihr wird in der politischen Theorie seit jeher eine besondere Rolle für die Erziehung eines mündigen Bürgers und die demokratische Entwicklung insgesamt zugeschrieben.

 

In den Jahren zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg erhielt die Theorie gerade in Ostmitteleuropa eine modernisierte Gestalt und zeitgemäße Weiterentwickelung, da die an die Selbstverwaltungen gestellten hohen Erwartungen mit der multiethischen Wirklichkeit dieser Großregion zusammentraf. Die sich daraus ergebenden Fragen werden durch die Tatsache verschärft, dass zur gleichen Zeit der Nationalstaat zum politischen Ideal erklärt und der Ethnonationalismus zur allgemeinen Hilfsideologie der Nationalideologen geworden war.

 

Im Fokus der Konferenz befinden sich vor allem die Großstädte mit ihrem hohen Anteil an jüdischer Bevölkerung. Im Zentrum des Interesses steht somit die Frage, wie sich diese ethnische Diversität in den Selbstverwaltungsorganen niederschlug, ob – und wenn ja, in welcher Art und Weise – dies die Kommunalpolitik beeinflusste. Durch die detaillierte Erforschung der konkreten alltagspolitischen Vorgänge in den städtischen Selbstverwaltungsorganen, so die Erwartung an die in vergleichender Absicht konzipierte Konferenz, soll die Problematik der städtischen Koexistenz verschiedener kultureller Gruppen, ihrer Integration, bzw. Desintegration und Inklusion, bzw. Exklusion deutlicher konturiert werden.

 

Die Tagung ist als Abschlussveranstaltung zum DFG-geförderten Forschungsprojekt »Die Juden in der polnischen Selbstverwaltung, 1918–1939: Krakau, Warschau und Posen« konzipiert. Die aus der Konferenz gewonnen Erkenntnisse sollen dabei helfen, die auf polnische Großstädte bezogenen Befunde des Projekts, das am Institut von Dr. Hanna Konzinska-Witt bearbeitet wurde, im ostmitteleuropäischen Vergleich zu kontextualisieren.

 

Programm

 

 

11. bis 12. Juni 2009

Kelsen, Schmitt, Arendt and the Possibilities of (International) Law - Workshop I: Constitutionalisation

  

Vor dem Hintergrund des Denkens dreier »Klassiker« wurden aktuelle Fragestellungen des inter-, supra- und transnationalen Rechts neu reflektiert. Die vier interdisziplinär angelegten Arbeitsgespräche waren dabei jeweils auf einen thematischen Schwerpunkt gerichtet. In Leipzig diskutierten Rechtswissenschaftler, Soziologen, Politikwissenschaftler, Philosophen und Historiker aus Großbritannien, den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Israel, der Türkei, Slowenien, Österreich und Deutschland über »Constitutionalisation«. Den Auftakt des Workshops bildete ein öffentlicher Vortrag des Rechtsphilosophen Thomas Mertens von der Universität Leiden (»Pleading international law? Hannah Arendt on the Eichmann trial«), der zugleich Teil unseres Forschungskolloquiums in diesem Semester war.

  

Programm

 

 

15. bis 16. Juni 2009 

Interner Workshop des BMBF-Verbundprojektes Kommunikationsräume des Europäischen 

Veranstaltungsort: im Gästehaus der Universität Leipzig »Villa Tillmanns«

 

 

10. bis 11. September 2009

Kaleidoscopic Knowledge. On Jewish and Other Encyclopedias in Modernity

 

Am 10. und 11. September 2009 fand am Simon-Dubnow-Institut in Kooperation mit dem German Historical Institute, Washington D.C.,  ein internationaler Workshop zu jüdischen und allgemeinen Wissenskulturen statt. Aus einer kulturhistorischen Perspektive wurde die Entwicklung jüdischer und vermeintlich universaler Enzyklopädien in der Moderne diskutiert. Mit Blick auf den Transfer von Wissen sollten (a) die Akteure der enzyklopädischen Unternehmungen, (b) die konkreten Bedingungen des Schreibens als Kontexte einer auch von materiellen Interessen geprägten Kommunikation sowie (c) Querschnittsanalysen von Artikelfolgen und Textüberlieferungen untersucht werden. Der von Arndt Engelhardt (DI) und Ines Prodöhl (GHI Washington) organisierte Workshop versammelte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel, den Vereinigten Staaten und Deutschland an dem Leipziger Forschungsinstitut.

 

Programm