Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Simon-Dubnow-Vorlesung

Ausgehend von der Idee, die jüdische Geschichte als Geschichte verschiedener Judenheiten zu begreifen und sie entsprechend räumlich und gesellschaftlich zu kontextualisieren, veranstaltet das Dubnow-Institut mit Unterstützung der Fritz-Thyssen-Stiftung seit 2000 als Höhepunkt eines jeden Jahresprogramms eine öffentliche Vorlesung zu einem ausgewählten Gegenstand seiner Forschungen.

 

Herausragende Persönlichkeiten der internationalen Geschichtswissenschaft und benachbarter Disziplinen werden nach Leipzig eingeladen, um vor einer akademischen wie breiteren interessierten Öffentlichkeit die Geschichte der Juden im Kontext der allgemeinen Historie näher zu beleuchten.

19. Simon-Dubnow-Vorlesung

Hellblaues Plakat mit dunkelblauer Schrift, hinter dieser Schrift, die die Angaben zur Veranstaltung widergibt, sieht man eine hebräische Handschrift

 

15. November 2018, 18 Uhr

Alte Handelsbörse Leipzig

 

Frank Golczewski (Universität Hamburg)

 

Grenzland-Erfahrungen.
Die ukrainische Nationsbildung und die Juden

 

Nationalbewusstsein und Nationsbildung entsteht in der Abgrenzung von »Anderen«. Als solche »Andere« nahmen Ukrainer schon vor der Nationalisierung Juden wahr, die als Begleiter/Verwalter der Polen seit dem 13. Jahrhundert, weiter östlich seit 1569 ins Land kamen. Als dann der Nationalismus um sich griff, galten Juden als ökonomische und politische Verbündete der dominierenden russischen und polnischen Kulturgruppen. In Verbindung mit den »üblichen« Anschuldigungen entwickelte sich daraus im 20. Jahrhundert, als auch noch der Bolschewismus-Verdacht dazu kam, ein weit verbreiteter (wenngleich keineswegs alle umfassender) Antisemitismus, der unter den Bedingungen der deutschen Okkupation in den Augen der Schoah-Opfer die Ukrainer als die schlimmsten Unterstützer der Nationalsozialisten erscheinen ließ. Wo dies zutraf und wo nicht, wird im Rahmen der 19. Simon-Dubnow-Vorlesung dargestellt und begründet. Damit wird ein Beitrag zur Bewertung von Nationalismus geleistet, der – entsprechend modifiziert – auch auf andere Konstellationen angewendet werden kann.

 

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