Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Kolloquium

Das Forschungskolloquium findet während des Semesters mittwochs meist vierzehntägig als Teil des Lehrangebots der Universität Leipzig statt. Es steht in jedem Semester unter einem anderen Leitthema, welches jeweils einen Arbeitsschwerpunkt des Instituts spiegelt. Die öffentlichen Vorträge werden in der Regel von auswärtigen Referentinnen und Referenten gehalten.

Sommersemester 2018

Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit

 

Dozenten: PD Dr. Jan Gerber/Dipl. Reg.-Wiss. Lukas Böckmann

Forschungskolloquium

Zeit: Donnerstag, 17:15–18:45 Uhr (vierzehntägig)

Beginn: 3. Mai 2018 

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

 

Lucha y Libertad – Juden im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts

 

Lucha y Libertad – Kampf und Freiheit. Dieses Begriffspaar ist wie kaum ein anderes mit dem Zeitgeschehen im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts, insbesondere seiner zweiten Hälfte, verbunden. In ihm verdichten sich die emblematischen politischen Entwicklungen dieser Epoche. Während die Rede vom Kampf vor allem die revolutionären, am kubanischen Modell geschulten Bewegungen evoziert, meinte die Forderung nach Freiheit vor allem die nationale Befreiung. Fokussiert sich der Blick jedoch auf die jüdischen Bewohner des Subkontinents, die als Bürger der jungen Nationen, als Protagonisten politischer Bewegungen oder als Mitglieder jüdischer Institutionen tief in die politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Zeit involviert waren, lässt sich diese Lesart erweitern. Auf der Flucht vor den Verheerungen in Europa hatten sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Zuflucht in Lateinamerika gefunden. Die dort in Aussicht gestellten bürgerlichen Freiheiten, mit denen insbesondere Argentinien, Brasilien und, wenn auch in geringerem Maße, Mexiko um Einwanderer aus Europa warben, wurden in den folgenden Jahrzehnten jedoch immer wieder infrage gestellt, nicht zuletzt durch die Aufnahmegesellschaften selbst. Vor dem globalgeschichtlichen Hintergrund des Kalten Kriegs und seinem lokalen Nachhall in den diktatorischen Regimes der Region sollen die Interferenzen von prospektiver Freiheit und den Bemühungen um deren Verwirklichung in den Mittelpunkt des Forschungskolloquiums gestellt werden. Vermittelt über aktuelle Forschungsprojekte aus den Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaften sollen die Kernfragen des Gegenstands aufgeworfen und in ihren Erkenntnispotenzialen entwickelt werden.

 

Programm

 

Vorträge:

 

3. Mai 2018

Andrea Acle-Kreysing (Leipzig)
Coming to Terms with the Holocaust and Hoping for Eretz Israel.
The Jewish Communities of Mexico City and Buenos Aires (1945–1946)

 

15. Mai 2018
Lesung und Gespräch
Zeitschichten. Bernardo Kucinski (São Paulo) über jüdische Geschichtserfahrung in Brasilien
(in Kooperation mit der Freien Universität Berlin)   

 

7. Juni 2018
Mariano Ben Plotkin (Buenos Aires)
Psychoanalysis in Latin America.
A Jewish Science?

 

28. Juni 2018
Liliana Feierstein (Berlin)
Unter dem Kreuz des Südens.
Jüdische Erfahrungen in Lateinamerika

 

5. Juli 2018
Susanne Zepp (Berlin)
Pertencer.
Geschichte und Erfahrung im Werk von Clarice Lispector (1920–1977)

Rückblick