Die Bibliothek des israelischen Historikers Jacob Toury (1915-2004)

Jacob Toury (rechts) mit seinem Sohn Gideon Toury

Im Frühsommer 2005 erhielt das Simon-Dubnow-Institut die Privat- und Arbeitsbibliothek des 2004 verstorbenen israelischen Historikers Jacob Toury, die bislang größte und wertvollste Bücherschenkung, die der Bibliothek des DI je zuteil wurde. Die Sammlung wurde dem DI von Professor Gideon Toury von der Universität Tel Aviv, dem Sohn Jacob Tourys, übereignet. Sie ist von großem wissenschaftlichem Wert und hoher ideeller Bedeutung, dokumentiert ihr Bestand doch das Spektrum der Forschungsinteressen und der Lektüren eines der bedeutendsten Sozialhistoriker im Bereich der deutsch-jüdischen Geschichte.

 

Die dem Simon-Dubnow-Institut übereignete Bibliothek umfasst 1.023 Titel in deutscher, englischer und hebräischer Sprache, darunter viele mehrbändige Werke und Lexika. Etwa zwei Drittel der Sammlung bestehen aus Büchern zur Geschichte der Juden, bei ungefähr einem Drittel handelt es sich um Werke zur allgemeinen Geschichte, größtenteils zur europäischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Den Forschungsinteressen Tourys folgend liegt ein Schwerpunkt auf der Geschichte der Juden in Deutschland vom 18. bis in das 20. Jahrhundert: Zahlreiche Bücher widmen sich der Geschichte der rechtlichen Emanzipation der Juden, ebenso den sozialen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen, welche die deutschen Juden im 19. Jahrhundert durchliefen. Darüber hinaus nehmen die Geschichte des Zionismus und der jüdischen Diplomatie einen prominenten Platz in der Sammlung ein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der nationalsozialistischen Judenverfolgung und des Holocaust.

 

Viele der Werke insbesondere aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts haben Seltenheitswert und sind dem Historiker, der sich speziellen Fragen der jüdischen Geschichte zuwendet, sonst kaum in Bibliotheken zugänglich. Die Sammlung enthält zudem einige wertvolle Rara, wie das 1721 in Jessnitz gedruckte hebräische Wissenschaftskompendium der frühen Haskala Ma'ase Tuvija (»Das Werk des Tuvija«) aus der Feder des jüdischen Arztes Tuvija Hacohen, eines der ersten jüdischen Studenten an der Universität Frankfurt a.d.O.

 

Der exeptionellen Bedeutung der Schenkung wurde durch besondere Maßnahmen der Präsentation Rechnung getragen: Der Bestand wurde – entgegen dem bisher am Institut geübten bibliothekarischen Umgang mit zumeist kleineren Schenkungen – in seiner Gesamtheit im Vortragssaal des Instituts in eigens für die Sammlung angefertigten Regalschränken aufgestellt. Die Bücher sind nicht ausleihbar.