toldot, Band 10 (2011)

Jakob Hessing:

Verlorene Gleichnisse.

Heine Kafka Celan

 

Mit einem Vorwort von Dan Diner 

 

148 Seiten, kartoniert
Göttingen/Oakville, Conn.: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011
ISBN 978-3-525-35086-7
Preis: 23,00 € (D)
ISBN 978-3-647-35086-8
Preis: 18,99 € (D)

  

 

Bestellen

 

Der Essay widmet sich den Übergängen vom heiligen zum säkularen Text in der Moderne anhand von drei zeitlich und räumlich unterschiedenen Konstellationen. Jakob Hessing deutet die Werke von Heinrich Heine, Franz Kafka und Paul Celan vor dem Horizont jenes Verlustes von religiöser Substanz, der seit Moses Mendelssohn den Eintritt der Juden in die deutsche Kultur begleitet hat. Dabei nimmt er vor allem das Gleichnis als eine sprachliche Konfiguration in den Blick, an der sich jener Verwandlungsprozess am deutlichsten nachvollziehen lässt.

 

Dies ist bereits an Lessings Ringparabel zu zeigen: Der Mensch tritt an die Stelle Gottes, und Heine war der erste Dichter, der den Preis dafür erkannt hat. Mit ironischer Brechung blickte Heine auf die Erlösungsangebote der Moderne, während ihm das Ende seines Lebens eine Rückkehr zur eigenen Herkunft bedeutete – als verlorener Sohn. Dieser Weg war Kafka verwehrt. Auch er spielte in seinen Texten mit Elementen des biblischen Gleichnisses, doch in einer nahezu verzweifelten Weise: wie sein Zeitgenosse Sigmund Freud formte Kafka jene göttlichen Embleme wesentlich um und konnte ihnen keine Verheißung mehr abgewinnen. Kaum zwanzig Jahre nach Kafkas Tod waren die Traditionen, auf denen die deutsche Kultur beruhte, zerstört, die überlebenden Juden dieses Kulturraums hatten ihre Heimat, ihre Sprache und die Sicherheit der heiligen Zeichen verloren. Als Paul Celan gegen Ende der vierziger Jahre seine Gedichte zu veröffentlichen begann, lebte er bereits in Frankreich und entwarf dort eine neue Bildsprache, in der die untergegangene Welt der Gleichnisse widerhallte.