Leipziger Beiträge Band 9 (2011)

Sprache, Erkenntnis und Bedeutung –

Deutsch in der jüdischen Wissenskultur

 

Herausgegeben von

Arndt Engelhardt und Susanne Zepp

 

 

Leipzig: Universitätsverlag 2015

338 Seiten

Hardcover

ISBN 978-3-86583-830-8

Preis: 49,00 € (D)

 

 

 

 

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Die deutsche Sprache als einen integralen Bestandteil jüdischer Kultur in der Moderne zu verstehen mag aus heutiger Perspektive angesichts der Vorgänge unter nationalsozialistischer Herrschaft befremden. Mit dem Holocaust hat die deutsche Sprache unter Juden ihre vormalige kosmopolitische Unschuld verloren. Sie hat sich in ein Idiom verwandelt, von dem es Abstand zu halten galt. Das Deutsche wurde aus dem Jüdischen gleichsam exorziert und verlor auch seine vormals gültige universelle Bedeutung. Vor allem das Deutsche als Wissenschaftssprache wurde auf sich selbst zurückgeworfen. Inzwischen kündigt sich möglicherweise eine teilweise Wende an. Ein Menschenalter nach der Katastrophe nähert sich das Jüdische dem Deutschen wieder an. Dies bedeutet keine vollgültige historische Rehabilitierung der deutschen Sprache, aber doch so etwas wie die Annahme von Anteilen einer Zugehörigkeit, die grundsätzlich zu bannen in den ersten Jahrzehnten nach der Katastrophe wie ein Gebot erschien.

 

Der vorliegende Band versteht sich als ein Dokument der Beobachtung, aber auch der Begleitung dieses Prozesses. Er widmet sich der hermeneutischen Geltung des Deutschen vornehmlich in den Geisteswissenschaften und dokumentiert – in überarbeiteter Form – die Vorträge und Diskussionen eines im Oktober 2012 am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig und am Dahlem Humanities Center der Freien Universität Berlin abgehaltenen Symposions, welches Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen und akademischen Traditionen mit der Absicht zusammenführte, der Wirkung des Deutschen als einer (einstmals auch) jüdischen Sprache in den verschiedenen Bereichen der Geisteswissenschaften nachzugehen. Anhand ausgewählter historischer Konstellationen werden Aspekte der deutschen Sprachkultur der mittel- und osteuropäischen Judenheiten untersucht, es wird deren historisch begründete Europäizität dargestellt und die paradigmatische Bedeutung dieser Konfiguration sowohl für die europäische Geschichte im Allgemeinen wie auch für die jüdische Tradition in der Moderne im Besonderen diskutiert.

 

Mit Beiträgen von: Dan Diner, Kata Gellen, Jan Gerber, Ruth Ginsburg, Barbara Hahn, Elad Lapidot, Paul Michael Lützeler, Sabine Mangold-Will, Anu Põldsam, Na'ama Sheffi, Scott Spector, Marc Volovici, Daniel Weidner, Yfaat Weiss, Christian Wiese und Robert Zwarg.

    

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