Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2019

Wahlpflichtmodul 03-HIS-0218 »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden)

 

Die beiden Veranstaltungen bilden das Modul »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (03-HIS-0218) im Studiengang Bachelor of Arts »Geschichte« am Historischen Seminar. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudiengangs »European Studies« und der bisherigen Magister- und Lehramtsstudiengänge des Historischen Seminars, des Instituts für Kulturwissenschaften und des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Die Lehrveranstaltungen sind offen für Studierende des Masterstudiengangs »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« der Friedrich Schiller Universität Jena.

 

Sprachkritik und Sprachdenken jüdischer Intellektueller nach 1945

 

Dozent und Dozentin: Dr. Nicolas Berg/Dr. Elisabeth Gallas

Seminar

Zeit: Mo., 15.15–16.45 Uhr (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28, Leipzig 

Beginn der Lehrveranstaltung: Montag, 1. April 2019

 

Beschreibung: Der Nazismus, so schrieb der amerikanische Literaturwissenschaftler George Steiner 1959, habe in der deutschen Sprache genau das vorgefunden, »was es brauchte, um seiner Grausamkeit Stimme und Nachdruck zu verleihen.« Diese These, dass das Deutsche nicht unschuldig an den NS-Verbrechen sei, wurde nie dezidierter formuliert als in Steiners Essay The hollow Miracle (dt. »Das hohle Wunder«, 1960). Die verstörende Beschreibung des Verhältnisses von deutscher Sprache und NS-Jargon ist keineswegs nur bei Steiner, sondern in überraschend vielen Zeitdiagnosen nach 1945 anzutreffen. Die Reihe der Namen reicht von H. G. Adler und Jean Améry über Victor Klemperer bis hin zu Joseph Wulf. In oft aufwändigen sprachkritisch angelegten Interpretationen der NS-Herrschaft stellten sie die Kontamination der deutschen Sprache und ihre Funktionalisierung ins Zentrum. Es entstand ein ganzes Korpus von Essays, Studien und sogar Wörterbüchern, in dem Sprache als Instrument von Ausgrenzung, Vertreibung und Vernichtung zum Thema gemacht wurde. Zugleich wurde deutlich, dass für eine solche Analyse selbst neue Begriffe zu finden waren, denn die jüdische Erfahrung unter der Herrschaft der Nazis war nicht mehr adäquat mit dem herkömmlichen Thesaurus beschreibbar. Der Lektürekurs thematisiert Reflexionen über die deutsche Sprache im Angesicht und nach der Katastrophe.

 

Literatur: Gute Einführungen zum Thema sind die genannten Grundlagentexte: George Steiner, Das hohle Wunder (1960), in: ders., Sprache und Schweigen. Essays über Sprache, Literatur und das Unmenschliche, Frankfurt a. M. 1973, 155–176; Victor Klemperer, LTI. Notizbuch eines Philologen (Berlin: Aufbau 1947); derzeit in 18. Auflage, Reclam-Tb., 2018.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

 

Ausstellen: Deutsch-jüdische Geschichte in Konflikten und Objekten

 

Dozenten: Prof. Dr. Raphael Gross/Fritz Backhaus

Seminar

Zeit: Blockseminar (2 SWS), Einführung: Freitag, 3. Mai; Blocksitzung: 04.07.2019 von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr und 05.07.2019 von 10.30 Uhr bis 17.00 Uhr

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28, Leipzig 

Beginn der Lehrveranstaltung (Einführungssitzung): Freitag, 3. Mai 2019

 

Beschreibung: Das Seminar beschäftigt sich mit Formen der Darstellung von deutsch-jüdischer Geschichte im Museum und dies anhand unterschiedlicher Konflikte und der damit verbundenen Objekte. Dazu sollen sowohl Themen definiert wie auch der Einsatz von Medien und insgesamt Möglichkeiten der Visualisierung in Ausstellungen thematisiert werden. Ziel wird es sein, eine Ausstellung zu konzipieren, die deutsch-jüdische Geschichte in Konflikten präsentiert. Die Veranstaltung findet als Block statt. Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats. Themen dazu werden in einer Einführungssitzung am 03.05.2019 vergeben.

 

Literatur: Cilly Kugelmann, Art. »Museen«, in: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, hg. von Dan Diner, Bd. 4, Stuttgart/Weimar 2013, 274–279 (mit weiterer Literatur).

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Einschreibemodalitäten: Siehe zentraler Termin des Historischen Seminars

 

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, Vertiefungsmodul 03-HIS-0312/03-HIS-0511

»Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit«

 

Jüdische materielle Kulturen in Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert

 

Dozentinnen und Dozent: Anna Holzer-Kawalko/Dr. Enrico Lucca/Judith Siepmann

Forschungskolloquium

Zeit: Donnerstag, 17.15–18.45 Uhr (vierzehntägig)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28, Leipzig

 

Beschreibung: Das Kolloquium nähert sich der jüdischen Geschichte Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert aus der Perspektive seiner materiellen Kulturen. Im Vordergrund stehen dabei zentrale Orte und Institutionen wie Jüdisch-theologische Seminare, Museen, Bibliotheken und (private) Sammlungen in der Zeit vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Vorwiegend in Fallstudien widmen sich die Vorträge verschiedenen Ländern wie der Tschechoslowakei, Ungarn sowie Polen und nehmen einerseits die Vielfältigkeit des kulturellen und spirituellen jüdischen Lebens in der Zwischenkriegszeit, andererseits den Raub, die Verschleppung und die Zerstörung des jüdischen materiellen Erbes durch die Nationalsozialisten in den Blick. Außerdem soll ein Fokus auf die Zerstreuung und den Verbleib, die Restitutionsbemühungen und die Weiternutzung der die Katastrophe überlebenden Bücher und Objekte als Spuren jüdischer Lebenswelten vor dem Hintergrund der radikalen Veränderungen des jüdischen Lebens sowie der Neuziehung politischer Grenzen in Ostmitteleuropa nach 1945 gerichtet sein.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

 

Hier finden Sie detaillierte Informationen zu den Terminen und Referenten.

 

Einschreibemodalitäten:

Anmeldung per E-Mail bei Marion Hammer

 

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes

 

 

Modul 03-HIS-0214, Gesellschaftsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert

 

Seminar: Faschismus und Nationalsozialismus. Theorien, Interpretationen, Kontroversen

 

Dozent: PD Dr. Jan Gerber

Seminar

Zeit: Donnerstag, 11.15–12.45 Uhr

Ort: GWZ H4 2.16