Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Forschungsprojekt »Kulturelle Teilhabe und öffentliche Emanzipation«

Über deutschsprachiges jüdisches Verlagswesen im 19. Jahrhundert

 

Das Forschungsprojekt rekonstruiert anhand paradigmatischer Beispiele die materielle und kulturelle Dimension des deutschsprachigen jüdischen Buchwesens im Zeitalter der Emanzipation. Seit den Napoleonischen Kriegen wurden Buchdruck und Buchhandel immer stärker zu Tätigkeitsfeldern auch für Juden, da sie neben geschäftlicher Begabung und unternehmerischem Mut einen weiten Bildungshorizont erforderten. Solche Berufe lagen zudem außerhalb der akademischen Einschränkungen und boten deshalb besondere Möglichkeiten für jüdische Gelehrte und Unternehmer, die von den Idealen des 19. Jahrhunderts wie Emanzipation, Akkulturation und Individualisierung erfüllt waren, die aber nicht in Universitätsstellungen gelangen konnten.

 

Das Vorhaben, das sowohl literarische als auch wissenschaftliche Werke in den Blick nimmt, fragt nach der europäischen und transnationalen Anlage jüdischer Verlage vornehmlich in deutscher Sprache sowie nach der sich ausbildenden bürgerlichen Lesekultur insgesamt, die deren Etablierung erst ermöglichte. Es untersucht diese Leitfragen anhand von drei mit der Messe-, Buch- und Universitätsstadt Leipzig verbundenen Teilstudien: So wird zunächst das berufsständische Engagement des Verlegers Moritz Veit (1808–1864) im Börsenverein der Deutschen Buchhändler (gegründet 1825 in Leipzig) sowie dessen engen Verbindungen zur literarischen Kultur des Vormärz und dem Milieu der Wissenschaft des Judentums betrachtet. Im zweiten Teil wird nach der Programmgestaltung und der nachhaltigen Rezeption des heute fast vergessenen Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur gefragt, einer jüdischen Buchgemeinschaft mit dreitausend Abonnenten, die von 1855 bis 1873 in Leipzig angebunden war. Eine dritte Teilstudie widmet sich der Judaica- und Orientalia-Produktion des Leipziger Unternehmens F. A. Brockhaus, einem der prägendsten Universalverlage in Deutschland während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.