Akademieprojekt im Simon-Dubnow-Institut

Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

»Europäische Traditionen –
Enzyklopädie jüdischer Kulturen«

 

Das Akademieprojekt »Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen« ist im Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig angesiedelt. Ziel des Projekts ist die Erschließung, Systematisierung und begriffliche Durchdringung der jüdischen Lebenswelten Europas. Ausgehend von der Frühen Neuzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts werden die jüdischen Lebenswelten vor allem im Hinblick auf ihr universalhistorisches Potenzial betrachtet und somit in das Korpus der allgemeinen Geschichts- und Kulturwissenschaften integriert.

 

Das Gesamtprojekt ist modular aufgebaut. Die Grundlage bildet das Modul I: »Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur«, das der Erarbeitung und Veröffentlichung des gleichnamigen siebenbändigen Werks dient. Dieses Vorhaben bündelt die Forschung und Begriffsbildung zu den neuzeitlichen historischen Lebenswelten der Judenheiten im zentraleuropäischen Raum. Synergetisch damit verbunden sind Modul II: »Bibliothek jüdischer Geschichte und Kultur« sowie Modul III: »Archiv jüdischer Geschichte und Kultur«. Beide Editionsreihen sind der politischen und der Wissensgeschichte der Juden gewidmet. Die »Bibliothek« versammelt vor allem personenbezogene Beiträge, darunter unpublizierte oder rare Schriften, Nachlässe und Briefe. Das »Archiv« erschließt ausgewählte Quellenbestände zu bestimmten Themenkomplexen, Anlässen oder Ereignissen. Beide Serien werden zunächst in Form einzelner Bände, später auch in digitalisierter Form veröffentlicht.

 

Den Auftakt des Projekts bildet die Erarbeitung der siebenbändigen »Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur« (sechs Inhaltsbände und ein Registerband, 2011–2016), deren Adressat die interessierte jüdische Öffentlichkeit ebenso wie das allgemeine Publikum ist. Die Stichworte ergeben ein Gesamtbild, das den diasporischen Existenzformen ebenso wie dem Wandel von sakral zu profan geprägten Lebenswelten der Juden Rechnung trägt. Im Zentrum der Analyse und Begriffsbildung stehen zum einen die Institutionen autonomen Charakters, die es Juden ermöglichten, rechtlich-korporativ reguliert bis in die Moderne hinein als Juden zu leben. Damit verbunden, aber auch darüber hinaus, gilt der Blick zum anderen dem Merkmal der Textualität: Es ist der sakrale, zunehmend sich profanierende Text, der das eigentliche Element jüdischer Selbstverständigung ist. In der Moderne säkularisieren sich solche Formen der Textualität zu Wissen und Wissenschaft, zu Denkschulen bis hin zur Theorie.

 

Damit einher geht der räumliche Fokus, der sich insbesondere auf die multiethnisch und multikonfessionell komponierten Vielvölkerreiche der Habsburger, Romanows und der Osmanen richtet, ohne westeuropäische Entwicklungen zu vernachlässigen. Darüber hinaus analysiert die »Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur« die sakralen wie vielfältigen modernen vernakularen Sprachen der Juden, ihre Verwendungszusammenhänge und Literaturen; zudem sind einzelne Stichworte spezifischen Erinnerungsorten gewidmet, aus deren Summe sich eine mentale Karte der jüdischen Erfahrung ergibt.

 

Bisher erschienen:

 

Enzyklopädie:

Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK), hg. im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig von Dan Diner,

 

• Band 1 (A–Cl), Stuttgart 2011;

• Band 2 (Co–Ha), Stuttgart 2012;

• Band 3 (He–Lu), Stuttgart 2012;

• Band 4 (Ly–Po), Stuttgart 2013;

• Band 5 (Pr–Sy), Stuttgart 2014;

• Band 6 (Ta–Z), Stuttgart 2015.  

 

Editionen:

The Assassination of Symon Petliura and the Trial of Scholem Schwarzbard 1926–1927. A Selection of Documents, hg. von David Engel, Göttingen 2016 (Archiv jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 2).

 

Jüdische Gemeindestatuten aus dem aschkenasischen Kulturraum 1650–1850, hg. von Stefan Litt, Göttingen 2014 (Archiv jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 1).

 

Simon Dubnow, Geschichte eines jüdischen Soldaten. Bekenntnis eines von vielen, aus dem Russ. übers. von Vera Bischitzky und hg. von Vera Bischitzky und Stefan Schreiner, Göttingen 2012 (Bibliothek jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 1).

Projektgruppe

Projektleiter

Professor Dr. Dr. h. c. Dan Diner

Arbeitsstellenleiter

Dr. Markus Kirchhoff

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Stefan Hofmann

Ulrike Kramme

Dr. Frauke von Rohden

 

Wissenschaftliche Hilfskräfte

Lukas Böckmann

Marcel Müller

Momme Schwarz

Weitere ausführliche Informationen finden Sie unter http://www.saw-leipzig.de/forschung/projekte/europaeische-traditionen-enzyklopaedie-juedischer-kulturen

 

Anschrift:

Akademieprojekt

»Enzyklopädie jüdischer Kulturen«

im Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur

Goldschmidtstr. 28

04103 Leipzig

 

Tel.: 0341 21735-700, Fax: 0341 21735-55