Simon Dubnow Institute
for Jewish History and Culture at Leipzig University

Workshops 2018

22 March 2018

Herkunft und Zukunft

Annäherungen an eine neue Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung

 

Program

 

10.00–10.15
Welcome Address

Yfaat Weiss (Leipzig/Jerusalem)
Wolfgang Uellenberg-van Dawen (Berlin)
Michaela Kuhnhenne (Düsseldorf)

 

10.15–10.30
Introduction

Jan Gerber (Leipzig): Was heißt »Eine neue Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung«?

 

10.30–12.00
Panel I: Mexiko-Stadt

Chair: Ulrich Schuster (Leipzig)

 

Philipp Graf (Leipzig): Zweierlei Exil. Leo Zuckermann und die Grenzen der kommunistischen Versprechung

 

Anja Jungfer (Potsdam): Alte und Neue Welt im Tintenstrom. Egon Erwin Kisch in Mexiko, 1940–1946

 

12.00–12.45
Lunch

 

12.45–14.30
Panel II: Westberlin

Chair: Jeannette van Laak (Leipzig)

 

Christian Zech (Hamburg): Exil als Kontinuitätsbruch und Konfliktfeld. Politische Standortbestimmungen bei Siegfried Aufhäuser

 

Felix Pankonin (Leipzig): »Sozialistische Erneuerung und der Fall Berlin«. Richard Löwenthal und die Westernisierung der SPD

 

14.30–15.00
Coffee Break

 

15.00–16.30
Panel III: Frankfurt

Chair: Doris Maja Krüger (Frankfurt O./Berlin)

 

Magnus Klaue (Leipzig): Produktive Missverständnisse. Horkheimer – Adorno – Habermas, 1958

 

Zarin Aschrafi (Leipzig): Borochov in Frankfurt. Der erste sozialistisch-zionistische Kongress, Dezember 1970

 

16.30–17.00
Break

 

17.00–18.30
Closing Lecture

Chair: Jan Gerber (Leipzig)

 

Christina Morina (Amsterdam): Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt eroberte

 

Participants: Zarin Aschrafi (Leipzig), Jan Gerber (Leipzig), Philipp Graf (Leipzig), Anja Jungfer (Potsdam), Magnus Klaue (Leipzig), Doris Maja Krüger (Frankfurt O./Berlin), Michaela Kuhnhenne (Düsseldorf), Jeannette van Laak (Leipzig), Christina Morina (Amsterdam), Felix Pankonin (Leipzig), Ulrich Schuster (Leipzig), Wolfgang Uellenberg-van Dawen (Berlin), Yfaat Weiss (Leipzig/Jerusalem), Christian Zech (Hamburg)

 

 

 

23 February 2018

Zeitbeobachter

Beschreibungen der Gegenwart in der Moderne

  

Eine gemeinsame Veranstaltung des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) Berlin und des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI).

 

Als »Zeitschriftsteller« bezeichnete Ludwig Börne 1818 den Publizisten und damit sich selbst: Eine Zeitschrift sei ein »Tagebuch der Zeit« und müsse gerade das schlechthin Ephemere, die wechselnden öffentlichen Meinungen notieren; sie könne nicht das schwere Gold ewiger Wahrheiten bieten, versorge ihre Leser aber mit dem »ausgemünzten Wissen«, das für den »Wechselverkehr« zwischen Leben und Wissenschaft notwendig sei. Es sind Medien der Großstadt, die für Börne ihrerseits Ort der Aktualität sind, »der Telegraph der Vergangenheit, das Mikroskop der Gegenwart und das Fernrohr der Zukunft«. Der Journalist als Zeitbeobachter verliert seinen kontemplativen Ort, ist nicht mehr »Geschichtsschreiber«, sondern »Geschichtstreiber«.

Diese Figur des Zeitbeobachters denkt ein neues, unmittelbares, aber auch prekäres Verhältnis zur Zeit – und dies in einem doppelten Wortsinne: Der Zeitbeobachter beobachtet die Gegenwart, er steht aber auch in ihr, wird geradezu zu ihrem Sprachrohr und liefert sich ihr somit auch aus. In beiden Formen wird er eine zentrale Figur für die Literatur am »Funktionsübergang von Dichtung und Publizistik« (Wolfgang Preisendanz). Dies bleibt auch für das 20. Jahrhundert wichtig, in dem die immer stärker politisierte Erfahrung von »Zeitverkürzung« und »Beschleunigung« (Reinhart Koselleck) zu artikulieren und denkerisch zu verarbeiten ist. Unter Rückgriff auf vormoderne Formen wie die Chronik und deren modernisiertes Format der vermischten Nachrichten, wird die Geschwindigkeit der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen professionell in den Blick genommen: in der Tageszeitung, speziell in Glosse und Essay, Feuilleton und Kommentar, in der Fotoreportage und im offenen Brief, der als direkte politische Intervention jenseits von Herrschaftstraditionen und -hierarchien fungiert.

Zeitgenossenschaft als Problem, Zeitzeugenschaft als Perspektive und Augenzeugenschaft als Teil des Nachrichtenzusammenhangs – sie schärfen unseren Blick auch auf theoretische Kategorien, auf Geschichtsphilosophie und Zeitgeschichte. Dabei etablieren sich nicht nur neue Textformen, sondern es verändern sich auch die traditionellen von Lyrik und Essay, Roman und Autobiografie. Für die historische Betrachtung stellen diese gleichzeitig eine wichtige Quelle wie eine Herausforderung dar: Denn sie zeigen zwar die Reaktionen auf die Moderne in actu, aber verlangen auch oft aufwendige Kontextualisierung; sie rufen nach Historisierung, die aber stets droht, das akute Moment in ihnen ruhigzustellen.

Der eintägige Workshop setzt mit sechs Vorträgen den Austausch zwischen dem Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin und dem Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow fort, der unter dem Titel »Theoriegeschichte und Jüdische Geschichte « im Frühjahr 2017 erstmals in Leipzig durchgeführt wurde.

 

Program

 

10.00–10.30
Welcome and introduction

 

10.30–12.30

Aurelia Kalisky (ZfL): Zeitverdichtung. Anekdoten- und Gedichtsammlungen aus den Ghettos während des Holocaust

 

Dagi Knellessen (DI): Paradoxien der Zeugenschaft. Jüdische Überlebende in deutschen Holocaustprozessen

 

13.30–15.30

Inka Sauter (DI): Frühjahr 1940. Erfahrungsschichten in Walter Benjamins geschichtsphilosophischen Thesen

 

Falko Schmieder (ZfL): Zeitgemäß unzeitgemäß. Adornos historische Gegenwartsbestimmungen

 

16.00–18.00

Enrico Lucca (DI): Out of Time, out of Place. Discussing Franz Rosenzweig’s Actuality in Mandatory Palestine (1936–1946)

 

Barbara Picht (ZfL): Zeitbeobachtung und Perspektivwechsel im 20. Jahrhundert. Czes?aw Mi?osz

 

Venue:
ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Etage, Trajekte-Tagungsraum

 

Participants: Nicolas Berg (Berlin), Aurelia Kalisky (Berlin), Dagi Knellessen (Leipzig), Enrico Lucca (Leipzig), Barbara Picht (Berlin), Inka Sauter (Leipzig), Falko Schmieder (Berlin), Daniel Weidner (Berlin)