Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2020/21

Akteuller Hinweis

Bitte beachten Sie die aktuellen Hinweise der Universität Leipzig.

Lehrangebot des Dubnow-Instituts

Master Geschichte, Schwerpunktmodul 03-HIS-0410 »Europäische Geschichte der Juden«

Zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden.

 

Die Veranstaltungen bilden das Modul »Europäische Geschichte der Juden« (03-HIS-0410) im Studiengang Master of Arts »Mittlere und Neuere Geschichte« am Historischen Seminar. Zum Modul gehören zwei Seminare, die aus dem Angebot entsprechend kombiniert werden; insgesamt 4 Semesterwochenstunden. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudienganges »European Studies« des Instituts für Kulturwissenschaften, der Buchwissenschaft und nach Absprache der Juristenfakultät der Universität Leipzig. Zudem sind die Lehrveranstaltungen Teil des Lehrangebots für Studierende des Masterstudienganges »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 

 

Geschichte und Gedächtnis: (Re)Lektüre eines Klassikers jüdischer Historiografie

 

Dozentin und Dozent: Dr. Elisabeth Gallas/Dr. Enrico Lucca

Seminar

Zeit: Dienstag, 11.15-12.45 Uhr (2 SWS)

Lehrform: digitale Veranstaltung mit Präsenzanteilen

Ort: Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28, Leipzig

Beginn der Lehrveranstaltung: 27.10.2020

 

Beschreibung: In dem als Lektürekurs angelegten Seminar beschäftigen wir uns mit zwei grundlegenden Positionen der neueren jüdischen Geschichtsschreibung: Mit dem 1982 erstmals erschienenen Essay »Zachor: Erinnere Dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis« des amerikanischen Historikers Yosef Hayim Yerushalmi (1932–2009) sowie mit dem als aktuelle Antwort auf Yerushalmi formulierten Text »The Stakes of History: On the Use and Abuse of Jewish History for Life« (2018) von David N. Myers, der an der University of California lehrt.

Yerushalmis Buchessay hat heute den Status eines Klassikers der jüdischen Geschichtsschreibung und ist für die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Historiografie und kollektivem Gedächtnis von zentraler Bedeutung. Im Mittelpunkt steht die Frage, inwiefern eine Vorstellung von Geschichte und Geschichtsschreibung Einfluss auf traditionelle Praktiken von Gedenken und kollektivem Gedächtnis nahm und wie die Historiografie im Umkehrschluss von diesen geprägt wurde. Myers nimmt eine Generation später die Lektüre von »Zachor« zum Anlass einer Reevaluierung der Bedeutung und Funktion von jüdischer Geschichtsschreibung und der Rolle des Historikers/der Historikerin heute. Beide Essays werden im Seminar gemeinsam gelesen und diskutiert. Die schrittweise Annäherung an die Positionen soll zum einen ermöglichen, sich mit wesentlichen Elementen jüdischen Geschichtsdenkens vertraut zu machen, und zum anderen das Genre der historiografischen Debatte, die Idee unterschiedlicher Positionsbestimmungen in der Arbeit historischer Rekonstruktion, näherbringen.

 

 

Literatur: Yosef Hayim Yerushalmi, Zachor: Erinnere Dich! Jüdische Geschichte und jüdisches Gedächtnis, aus dem Amerik. von Wolfgang Heuss, Berlin 1988; David N. Myers, The Stakes of History: On the Use and Abuse of Jewish History for Life, New Haven/London 2018.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt.

Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte und zur Übernahme eines Referats.

 

 

Der große vaterländische Blick. Jüdische Erfahrungen im sowjetischen Weltkriegsfilm, 1941–1991

 

Dozent: PD Dr. Jan Gerber

Seminar

Zeit: Donnerstag, 11.15-12.45 Uhr (2 SWS) 

Lehrform: digitale Veranstaltung mit Präsenzanteilen

Ort: Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28, Leipzig

Beginn der Lehrveranstaltung: 29.10.2020

 

 

Beschreibung: Der Zweite Weltkrieg galt in der Sowjetunion als »Großer Vaterländischer Krieg«. Als zentrales Opfer wurde die sowjetische Zivilbevölkerung betrachtet, an der die deutschen Besatzer nahezu beispiellose Verbrechen verübt hatten. Die Spezifik der jüdischen Erfahrung fand dabei allerdings kaum Erwähnung. Diese Herangehensweise prägte auch die filmischen Verarbeitungen des Krieges.

Dennoch brach die jüdische Erfahrung gelegentlich in die Darstellungen ein – sei es aufgrund der Monstrosität der Verbrechen oder vermittels jüdischer Regisseure und Drehbuchautoren. Im Rahmen des Seminars wird diesen Spuren jüdischer Präsenz in sowjetischen Weltkriegsfilmen aus fünfzig Jahren, von 1941 bis 1991, nachgegangen. Zu diesem Zweck sollen die Wandlungen der sowjetischen Nationalitätenpolitik mit der Gedächtnisgeschichte des Holocaust und der sowjetischen Filmgeschichte enggeführt werden.

 

Das Seminar findet in einer Mischform aus Online- und Präsenzveranstaltungen statt, in denen die Filme gemeinsam angeschaut und diskutiert werden. Die Teilnehmerzahl ist deshalb auf zwölf Personen begrenzt. Die Veranstaltung ist zweiwöchentlich geplant: die Termine am 29.10., 12.11.2020 und 4.2.2021 als Onlineveranstaltungen (11.15-12.45 Uhr); die weiteren Termine am 26.11., 10.12.2020, 7.1. und 21.1.2021 sind Doppelsitzungen (11-15 Uhr) und sollen als Präsenzveranstaltungen im Dubnow-Institut stattfinden.

 

Literatur: Literaturhinweise werden in der ersten Sitzung gegeben.

 

Ausstellen: Staatsbürgerschaft

 

Dozenten: Prof. Dr. Raphael Gross, Prof. Dr. Werner Konitzer

Blockveranstaltung

Lehrform: digitale Veranstaltung mit Präsenzanteilen

Ort: Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28, Leipzig

Beginn der Lehrveranstaltung: 27.11.2020

Termine der Blockveranstaltungen: 8.1. (11.15–12.45 Uhr), 14.1. (15.15–16.45 Uhr), 15.1. (11.15–12.45 Uhr), 21.1. (15.15–16.45 Uhr) und 22.1.2021 (11.15–12.45 Uhr)

 

Beschreibung: Staatsbürgerschaft als dominante Form politischer Zugehörigkeit, als Konzept der Verbindung besonderer Rechte und Pflichten wie Wahlrecht und Wehrpflicht, Rentenberechtigung und Steuerpflichten, entstand mit der Ausbildung des modernen Nationalstaates im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei gilt es auch die Geschichte bürokratischer Praktiken zu erzählen, von Pässen, Stempeln, Gesetzen und Verordnungen, von Erzeugung und Begrenzung von Migration, von tatsächlichen Zugehörigkeiten und Zugehörigkeitserwartungen, von Praktiken des Ausschlusses, der Ausbürgerung, der Aberkennung der Staatsbürgerschaft und des Passentzugs. Gerade die Erfahrung solcher Praktiken von Ein- und Ausschluss, von Emanzipation und rechtlicher Gleichstellung bis hin zum Verlust aller Rechte ist ein elementarer Bestandteil der jüdischen Erfahrung in der Moderne.

Das Deutsche Historische Museum plant eine Ausstellung zur Geschichte der Staatsbürgerschaft in Europa. In unserem Seminar sollen die beschriebenen Aspekte unter Berücksichtigung der besonderen jüdischen Erfahrungen in verschiedenen europäischen Ländern an herausragenden Beispielen betrachtet werden. Dabei soll immer auch die Frage erörtert werden, wie eine solche Geschichtserfahrung in einer Ausstellung angemessen und aufklärend gezeigt werden kann. 

 

Literatur: Dieter Gosewinkel, Schutz und Freiheit? Staatsbürgerschaft in Europa im 20. und 21. Jahrhundert, Berlin 2016.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats. Themen dazu werden in einer Einführungssitzung am 27.11.2020 (11.15–12.45 Uhr) vergeben. 

 

 

Einschreibung: siehe zentraler Termin des Historischen Seminars.

Prüfungsvorleistung: Referat

Prüfungsleistung: Hausarbeit

 

 

Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit

 

»Let My People Go!«

Jewish Emigration from Eastern Europe since the 1960s

 

Dozent und Dozentin: Prof. Dr. Jörg Deventer/Dr. Angelique Leszczawski-Schwerk

Kolloquium 

Zeit: Donnerstag, 17.15–18.15 Uhr (vierzehntäglich)

Lehrform: digital

Beginn der Lehrveranstaltung: 12.11.2020

 

Beschreibung: This lecture series takes the 25th anniversary of the foundation of the Dubnow Institute as an opportunity to examine Jewish emigration from the Soviet Union and Eastern Europe between the 1960s and 1990s in order to highlight the effects and repercussions these waves of migration exerted on Jewish studies, especially in the United States, Israel, and Federal Republic of Germany.

The focus of these broadly contextualizing lectures is on migration processes from an interdisciplinary perspective. Of central interest here is the experience of migration as well as the different disciplinary specializations of the scholars (political science, sociology, history, material culture, literature) in question. The aim of the lecture series is to discern the relationship between knowledge and migration in the respective countries. 

 

Die zweisprachige (deutsch/englische) Veranstaltung findet digital statt. Bitte registrieren Sie sich vorab, so dass Sie einen Link zum digitalen Besprechungsraum erhalten können. Informationen zur Anmeldung, Referentinnen, Referenten, Themen und die Termine finden Sie hier.

Keine Teilnehmerbegrenzung

 

 

Einschreibung: siehe zentraler Einschreibtermin des Historischen Seminars

Prüfungsleistung: Projektarbeit