Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2021

Aktuelles

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Wahlpflichtmodul 03-HIS-0218 »Geschichte der Juden in der Neuzeit«

(zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden)

Die beiden Veranstaltungen bilden das Modul »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (03-HIS-0218) im Studiengang Bachelor of Arts »Geschichte« am Historischen Seminar. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudiengangs »European Studies« und der bisherigen Magister- und Lehramtsstudiengänge des Historischen Seminars, des Instituts für Kulturwissenschaften und des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Die Lehrveranstaltungen sind offen für Studierende des Masterstudiengangs »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« der Friedrich Schiller Universität Jena.

 

Jüdische Typografie im 19. Jahrhundert. Sozial- und kulturgeschichtliche Lektüren

Dozent: Dr. Arndt Engelhardt

Seminar

Zeit: Di., 11.15–12.45 Uhr (2 SWS)

Beginn der Lehrveranstaltung: 13. April 2021

Ort: digitale Veranstaltung, ggf. mit Präsenzanteilen im Dubnow-Institut

 

Beschreibung: Im 19. Jahrhundert etablierte sich ein modernes jüdisches Buchwesen, das sich in vielen Aspekten auf den allgemeinen Wandel im zeitgenössischen Buchhandel zwischen Reform der Umgangsformen, zunehmender Zentralisierung und einsetzender Industrialisierung bezog. Eine besondere Rolle spielten dabei neue typografische Verfahren, die gerade die Gestaltung von Büchern in fremden Sprachen vereinfachten und zunehmend beschleunigten, die Entwicklung der modernen jüdischen Presse sowie die Herausbildung einer politisch und kulturell interessierten Öffentlichkeit. Im Seminar folgen wir den großen Entwicklungslinien im deutschsprachigen Buchhandel, indem wir autobiografische Zeugnisse der beteiligten Akteure wie jüdischer Buchdrucker, Verleger und prominenter Autoren analysieren sowie die materielle Überlieferung ausgesuchter Verlagsunternehmen rekonstruieren.


Literatur: Peter Fraenkel, The Memoirs of B. L. Monasch of Krotoschin, in: Leo Baeck Institute Year Book 24 (1979), 195–223; Karen Auerbach, »Verlagswesen«, in: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, hg. von Dan Diner, 2016; Kenneth B. Moss, »Printing and Publishing after 1800«, in: YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe.

 

Seminartexte werden in Form eines Readers zur Verfügung gestellt.


Geöffnet für Seniorenstudium: nein

Begrenzung der Teilnehmeranzahl: 25 Personen

 

Ausstellen: Auschwitz – Geschichte und Wirkung

Dozenten: Prof. Dr. Raphael Gross/Fritz Backhaus

Seminar

Zeit: Blockseminar (2 SWS)

Einführung: 7. Mai 2021, 11.15–12.45 Uhr

Blocksitzung: 04.06. (11.15–12.45 Uhr), 09.06. (15.15–16.45 Uhr), 11.06. (11.15–12.45 Uhr), 16.06. (15.15–16.45 Uhr) und 18.06.2021 (11.15–12.45 Uhr)

Ort: digitale Veranstaltung, ggf. mit Präsenzanteilen im Dubnow-Institut

 

Beschreibung: Die Geschichte und Wirkungsgeschichte des von Deutschen in Polen errichteten Konzentrations- und Vernichtungslagers in Auschwitz prägt wie kein anderes Ereignis das 20. Jahrhundert. Auschwitz ist zum Synonym für den Holocaust selbst geworden. Die Kenntnis um den Massenmord, die juristischen Auseinandersetzungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Polen und die erst mit großer zeitlicher Verzögerung einsetzende Prozesse in der Bundesrepublik Deutschland sind wie die literarische, philosophische, filmische und künstlerische Aufarbeitung alles Themen, die verdeutlichen, worin die besondere Bedeutung dieses Vernichtungs- und Konzentrationslagers bis heute liegt. Ziel des Seminars ist, eine Ausstellung zu skizzieren, die am Deutschen Historischen Museum geplant wird. Neben der Darstellung der Geschehnisse vor Ort seit der Errichtung des Lagers 1941 wird die Auseinandersetzung mit Auschwitz und seinen Folgen bis in die Gegenwart hinein behandelt.

 

Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats. Themen dazu werden in einer Einführungssitzung am 07.05.2021 (11:15–12:45 Uhr) vergeben.

 

Literatur: Sybille Steinbacher, Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte, München 2020; Shoah, Frankreich, 1985, Regie: Claude Lanzmann; Georges Didi-Huberman, Bilder trotz allem, München 2007; Primo Levi, Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht, München 2016 (1947); Nikolaus Wachsmann, KL: Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, München 2016.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

Begrenzung der Teilnehmeranzahl: 25 Personen

 

Jüdische Diplomatie in der Zwischenkriegszeit – Kampf um Minderheitenrechte

Dozenten: Marcel Müller/Momme Schwarz

Seminar

Zeit: Mi., 11.15-12.45 Uhr (2 SWS)

Beginn der Lehrveranstaltung: 14. April 2021

Ort: digitale Veranstaltung, ggf. mit Präsenzanteilen im Dubnow-Institut

 

Beschreibung: Ziel des Seminars ist die Erörterung und Vermittlung jüdischer Initiativen zur Durchsetzung und Verteidigung eines verbindlichen Minderheitenschutzsystems in Europa zwischen 1919 und 1939. Ausgehend von der Gründung des Comité des délégations juives vor der Pariser Friedenskonferenz über die Beteiligung jüdischer Delegierter am Europäischen Nationalitätenkongress zwischen 1925 und 1933 bis hin zur Gründung des World Jewish Congress im Jahre 1936 sollen entlang ausgewählter Quellen die Strategien und Forderungen zum Schutz der Juden vor ökonomischer, politischer und kultureller Ausgrenzung erarbeitet und diskutiert werden. Vermittels genauerer Betrachtung von Institutionen und Einzelpersonen werden die engmaschigen Netzwerke der jüdischen Minderheitendiplomatie der Zwischenkriegszeit erhellt; zudem wird der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten des Schutzes und der Rettung unter den sich zuspitzenden Bedingungen der 1930er Jahre in Ost- und Westeuropa den Juden blieben.

 

Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

 

Literatur: Dan Diner, Imperiale Residuen. Zur paradigmatischen Bedeutung transterritorialer Erfahrung für eine gesamteuropäische Geschichte, in: Daniel Weidner (Hg.), Figuren des Europäischen. Kulturgeschichtliche Perspektiven, München 2006, 259–274; Philipp Graf, Die Bernheim-Petition 1933. Jüdische Politik in der Zwischenkriegszeit, Göttingen 2008; Mark Mazower, Reiche, Völker, Minderheiten, in: Ders., Der dunkle Kontinent. Europa im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2002, 69–116; Ezra Mendelsohn, Zwischen großen Erwartungen und bösem Erwachen. Das Ende der multinationalen Reiche in Ostmittel- und Südosteuropa aus jüdischer Perspektive, in: Dittmar Dahlmann/Anke Hilbrenner (Hgg.), Zwischen großen Erwartungen und bösem Erwachen. Juden, Politik und Antisemitismus in Ost- und Südosteuropa 1918–1945, Paderborn 2007, 13–30.

 

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

Begrenzung der Teilnehmeranzahl: 25 Personen

 

Einschreibung: siehe zentraler Termin des Historischen Seminars

Prüfungsleistungen: Referat und Hausarbeit

 

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, Vertiefungsmodul 03-HIS-0312/03-HIS-0511 »Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit«

 

American Jewish Political Thought: Transnational Varieties

Dozent: Dr. des. Imanuel Clemens Schmidt

Forschungskolloquium

Zeit: Donnerstag, 17.15–18.45 Uhr (vierzehntägig)

Beginn der Lehrveranstaltung: 15. April 2021

Lehrform: digital


Beschreibung:
This lecture series offers some new perspectives on the history of twentieth-century American Jewish political thought in a transnational dimension. It focuses on the diverse ways in which American Jews, through their communal institutions and organizations, articulated a variety of ideas about their responsibilities for Jews and Jewish life abroad. It also asks how those actions, in turn, reflected concerns the Jews of the United States had for themselves and their place in American life. What tasks did they take up for Jews in other places, and what did their actions mean for their various understandings of Jewish life in the United States? The lecture series emphasizes both common concerns among American Jews and widely divergent views of what to do and how.

The lectures explore how American Jews articulated in words and deeds the multiple and often conflicting perspectives about their own situation in America and their relationship to the Jewish people worldwide.

The series is linked to and sets the stage for the Digital Annual Conference of the Dubnow Institute, in cooperation with The Goldstein-Goren Center for American Jewish History at New York University (Prof. Dr. Hasia R. Diner), conducted on June 15–16, 2021.

 

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

keine Teilnahmebeschränkung, Anmeldung erforderlich

 

Detaillierte Informationen zu den Terminen, den Referentinnen und Referenten sowie zur Anmeldung finden Sie unter Forschungskolloquium.

 

 

Einschreibemodalitäten: siehe zentraler Termin des Historischen Seminars

Prüfungsleistungen: Projektarbeit

 

 

Mastermodul 03-HIS-0407, Geschichte des 20. Jahrhunderts: Der Kampf zwischen Demokratie und Diktatur

Kolonialismus und Nationalsozialismus. Gillo Pontecorvos »Schlacht um Algier« (1966) als Beispiel

Dozent: PD Dr. Jan Gerber

Seminar

Zeit: Do., 13.15–14.45 Uhr

Beginn der Lehrveranstaltung: 22. April 2021

Ort: digitale Veranstaltung, ggf. mit Präsenzanteilen

 

Beschreibung: In welchem Verhältnis stehen Kolonialismus und Nationalsozialismus? Gehört der Kolonialismus zur Vorgeschichte des Nationalsozialismus oder handelt es sich um voneinander unabhängige Entwicklungen? Und befindet sich die Erinnerung an den Nationalsozialismus in Konkurrenz zur Erinnerung an die Verbrechen des Kolonialismus? Diese Fragen werden nicht erst in den letzten Jahren diskutiert, sie wurden bereits in der Zeit der Dekolonisierung, die in den 1950er und 1960er Jahren sowohl im Rahmen als auch jenseits des Kalten Krieges stattfand, aufgeworfen. Insbesondere der Algerienkrieg forderte die politische und historische Urteilskraft heraus. Dazu trug nicht nur die unmittelbare zeitliche Nähe zum Zweiten Weltkrieg bei, sondern auch die Tatsache, dass auf beiden Seiten Personen kämpften, die nur wenige Jahre zuvor am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt waren. Zahlreiche Algerier, die bis 1945 in den Streitkräften des Freien Frankreichs gedient hatten, schlossen sich nach dem Zweiten Weltkrieg der nationalen Befreiungsbewegung Algeriens an; auf französischer Seite waren es nicht selten ehemalige Angehörige der Résistance, die für die Ausweitung der Befugnisse des Militärs und die systematisch betriebene Folter im Algerienkrieg verantwortlich waren.

Dieser komplizierten Konstellation soll im Seminar anhand von Gillo Pontecorvos berühmtem Film »Schlacht um Algier« von 1966 nachgegangen werden. Vermittelt über diese Ikone des antikolonialen Kinos soll der Spezifik der kolonialen Situation im Algerien der späten 1940er und 1950er Jahre, dem Verhältnis zum Kalten Krieg sowie den gegenläufigen Erfahrungen und Gedächtnissen nachgegangen werden, die sich im Algerienkrieg Geltung verschafften.

 

Literatur: Die Literatur zum Seminar wird zu Semesterbeginn bereitgestellt.