Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Forschungsprojekt »Koexistenz und Dissonanz«

Die Entwicklung der polnisch-jüdischen Topographie vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart

 

Das Forschungsprojekt untersucht die Entwicklung und das Bild von Polens jüdischer Landschaft und urbanen Topografie vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinein, wobei die südpolnische Kleinstadt Olkusz im Mittelpunkt steht. Durch eine Verbindung von Sozialgeschichte, Urban Studies, Kulturanthropologie und dem Studium materieller Kultur wird gezeigt, in welchem Maße die materielle und symbolische Veränderung von Polens jüdischen Räumen das Alltagsleben von Juden prägte und die ambivalente Beziehung zwischen ihnen und Nichtjuden vor, während und nach dem Holocaust widerspiegelte.

Die Studie nutzt das Konzept des räumlichen Palimpsestes, um diverse historische und politische Kontexte in einen analytischen und interpretativen Rahmen zusammen zu führen. Aus einer mikrohistorischen Perspektive und zwischen verschiedenen räumlichen Sphären oszillierend ermöglicht die Vorgehensweise eine Nahaufnahme in höchster Auflösung, um weiterreichende Kernfragen zu beantworten: Wie und auf welche Weise beeinflussten die Ereignisse des langen 20. Jahrhunderts die Konstruktion, Konfiguration und Wahrnehmung von jüdischem Raum, und worin bestanden die räumlichen Praktiken und Mechanismen, durch die interethnische Beziehungen in ehemaligen Schtetls geprägt, vermittelt und erinnert wurden?