Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Workshops

Diese themenspezifischen, meist ein- bis zweitägigen Begegnungen finden mehrfach im Jahr, zum Teil in Kooperation mit externen Organisatorinnen und Organisatoren, im Institut oder auswärts statt. 

»Sprachhandeln« – Reflexionen über die deutsche Sprache nach dem Holocaust

21.–22. Oktober 2019

Workshop des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

 

Die These, dass die deutsche Sprache nicht unschuldig an den NS-Verbrechen gewesen sei, hat niemand so dezidiert formuliert wie George Steiner in seinem Text The Hollow Miracle (1959; dt. Das hohle Wunder, 1960). Dort heißt es, dass die Nazis im Deutschen »genau vorfanden, was sie für ihre Untaten benötigten«: eine »Flut von präzisen, brauchbaren Worten«. Die Kontamination der deutschen Sprache mit dem nationalsozialistischen Jargon und deren anhaltende Wirkung verstand Steiner dabei nicht nur als linguistisches, sondern als erkenntnistheoretisches Thema. Sein Essay steht zudem in einer Tradition ähnlicher Interventionen, die bis in die 1930er Jahre zurückreicht. Viele deutschsprachige Juden erkannten schon früh, dass die neue Sprachwirklichkeit die gewandelte politische Realität nicht nur abbildete, sondern dieser vorausging.

 

Nach 1945 ist dann auch der Fokus auf Sprache und ihre Gewaltfunktion in auffallend vielen Zeitdiagnosen anzutreffen, etwa in den Arbeiten von Victor Klemperer, Nachman Blumental, H. G. Adler, Joseph Wulf oder Peter Weiss. Gleich mehrere sprachkritisch angelegte Projekte wurden begonnen, um die Funktionalisierung der deutschen Sprache durch die Nazis zu untersuchen. Es entstand ein ganzes Korpus von Studien und Wörterbüchern, in dem sich ein regelrechtes Genre historischer Analyse konstitutierte. Sprache wurde hier als Tat, als Sprachhandlung verstanden und ihr vorgreifender Einfluss auf die Praxis von Diktatur, Vertreibung und Vernichtung unter-sucht. Zugleich war und blieb das grundsätzliche Nach-denken über Sprache auch jener Ort, an dem neue Begrifflichkeiten für die Erfahrung von Juden unter deutscher Herrschaft erprobt wurden, die mit dem herkömmlichen Vokabular nicht mehr adäquat zu bezeichnen waren.

 

Der Workshop stellt diese verschiedenen Reflexionen jüdischer Gelehrter über die deutsche Sprache im Angesicht der Katastrophe ins Zentrum. Sprachkritik soll hier auf ihren zeitdiagnostischen Kern hin diskutiert und ihr Potenzial für das historische Nachdenken über den Holocaust analysiert werden.

 

Programm

 

Kontakt und Anmeldung (bis 14. Oktober 2019)

Nicolas Berg/Elisabeth Gallas

Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow

Goldschmidtstraße 28, 04103 Leipzig

Telefon: +49 341 21735-50

E-Mail: antwort(at)dubnow.de

Juridical Testimonies after 1945 – Expectations, Contexts and Comparisons

8. bis 9. April 2019

Workshop  des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut

 

Das Bezeugen des Holocaust und die Strafverfolgung der Täter waren nach 1945 eng miteinander verbunden. Viele Überlebende, die Zeugnis ablegten, taten das ganz selbstverständlich auch im Hinblick auf eine Verfolgung der Täter. Das Beklagen der Toten und die Anklage der Verbrechen gingen ineinander über, ebenso das Verlangen nach Gerechtigkeit, Wahrheit und gelegentlich nach Rache.

Später fielen die Sphären der Strafverfolgung und der Zeugenschaft des Holocaust zunehmend auseinander. Die juristische Zeugenschaft der Überlebenden wurde eine kontroverse Angelegenheit, gekennzeichnet von widersprüchlichen Erwartungen und Anforderungen. Bundesdeutsche Strafjuristen und ein Teil der Öffentlichkeit bestanden mit Verweis auf rechtstaatliche Grundsätze darauf, die Prozesse gegen die (Mit-)Täter des staatlich organisierten Massenmords als ganz normale Strafprozesse zu führen. Aus dieser Perspektive waren die Überlebenden mit ihren tiefen Verletzungen zweifelhafte Zeugen, zu voreingenommen und emotional. Die Glaubwürdigkeit der Zeugen wurde nicht zuletzt daran bemessen, ob sich bei ihnen Zeichen von Hass oder Rachegefühlen zeigten.

Die ehemaligen KZ-Häftlinge und Holocaust-Überlebenden nutzten die Prozesse weiterhin, um in den Formen, die ihnen das Strafrecht zubilligte, öffentlich ihr Wissen über die Verbrechen kundzutun. Ihre Motive und Anliegen waren vielfältig; ihre Möglichkeiten, sich vor Gericht verständlich zu machen, variierten. Die juristische Zeugenschaft des Holocaust war ein transnationales Phänomen; die Herkunft aus verschiedenen, nicht selten wechselnden Erinnerungsgemeinschaften und die Sprachen, die im Zeugenstand gesprochen wurden, bestimmten den Gehalt und die Rezeption der Aussagen wesentlich mit. Der Workshop wird aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen und mit Blick auf verschiedene Zeiträume und Länder die juristische Zeugenschaft der Holocaust-Überlebenden diskutieren.

 

Programm

 

Kontakt und Anmeldung (bis 29. März 2019)

Dagi Knellessen / Katharina Stengel

Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow

Goldschmidtstraße 28, 04103 Leipzig

Telefon: +49 341 21735-755

E-Mail: antwort@dubnow.de

Makom //: – :// Place

Transdisciplinary Perspectives in the Field of Jewish Cultural Studies

25.–26. Februar 2019

 

Workshop des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Kooperation mit "Da’at Hamakom" – I-CORE Center for the Study of Cultures of Place in the Modern Jewish World

 

 

The academic workshop will deal with transdisciplinary perspectives in Jewish cultural studies. At this meeting of Israeli and German scholars at the Leibniz Institute for Jewish History and Culture – Simon Dubnow, fellows of the I-CORE Center of Excellence "Da’at Hamakom" will present their research projects in Leipzig.

 

All contributions correspond to notions of "place" in Jewish culture in modernity. They will present cultural landscapes, musical enactments and representations between the sacred and the profane. The participants will give insight into their current work and discuss innovative research results in their respective disciplines.

 

The aim of the two-day event is to deepen existing scholarly exchange and to promote sustainable academic relations in the humanities between Germany and Israel.

 

Programm

International Working Group

Cultural Agency, Transnational Innovation, and Publishing Economics: The Romm Printing House and the European Republic of Letters

11. bis 12. Februar 2019

 

Kick-Off-Meeting von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Israel, Litauen und Deutschland mit dem Ziel der Erarbeitung zweier umfassender Förderanträge im Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow

 

Programm

 

Teilnehmerinnen und Teilnehmer:

Dr. Nicolas Berg (Leipzig), Prof. Dr. Jörg Deventer (Leipzig), Dr. Arndt Engelhardt (Leipzig), Dr. Ada Gebel (Beer Sheva), Dr. Markus Kirchhoff (Leipzig), Yair Kleitmann (Beer Sheva), Dr. Lara Lempert (Vilnius), Yael Levi (Jerusalem), Dr. Maya Shabbat (Beer Sheva), Prof. Dr. Yfaat Weiss (Jerusalem/Leipzig), Dr. Gil Weissblei (Jerusalem), Prof. Dr. Motti Zalkin (Beer Sheva)

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