Zur Geschichte des Hauses

Die Goldschmidtstrasse 28

 

Leipzig galt vor dem zweiten Weltkrieg als Metropole der Verlage, Druckereien und Buchbindereien. Das Herzstück der Buchstadt stellte das Graphische Viertel dar. Zu beiden Seiten des Johannisplatzes gelegen, erstreckte es sich östlich der Leipziger Innenstadt. Berühmte Verlage wie F. A. Brockhaus, Reclam, der Musikverlag C. F. Peters und der Insel Verlag waren dort ansässig. Im Zentrum des Buchhändlerviertels stand einst die Johanniskirche, die wie weite Teile des Viertels im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Im Zuge der Lizenzverteilung nach 1945 zogen viele Leipziger Verlage nach Westdeutschland, und nach der Gründung der DDR schwand die Bedeutung des Buchhändlerviertels und somit auch die Geltung Leipzigs als international bedeutende Buchstadt.

 

Die Geschichte des Hauses Goldschmidtstraße 28 fügt sich in die Historie des Graphischen Viertels ein. Die gesamte Goldschmidtstraße, die ursprünglich Königsstraße hieß und im Jahre 1947 nach der bekannten Frauenrechtlerin und Pädagogin Henriette Goldschmidt benannt wurde, zählte zu einem der am dichtesten besiedelten Standorte des Buchhändlerviertels. 1894 zog die Buchdruckerei und Buchbinderei Oskar Leiner von der Königsstraße 5 in die Königsstraße 26b, die heutige Goldschmidtstraße 28. Das Sortiment der Buchdruckerei Leiner war vielfältig: Es wurden neben Publikationen des Reclam-Verlages, Prospekte, illustrierte Kataloge, Broschüren, Preislisten, fremdsprachliche Drucksachen sowie Zeitungsbeilagen gedruckt. 1896 siedelte der Musikverlag Bosworth & Co. ebenfalls in die heutige Goldschmidtstraße 28 über. Neben der Oskar Leiner Buchdruckerei und Buchbinderei war ab 1930 ebenso der D. Leiner Verlag in der damaligen Königsstraße 26b ansässig.

 

1946 kaufte der Verlag B. G. Teubner die nicht zerstörte Druckerei Oskar Leiner in der Leipziger Goldschmidtstraße 28. Die sowjetische Besatzungsmacht begann bald darauf mit der Demontage fast aller Maschinen. 1947 erhielt die »B. G. Teubner Verlagsgesellschaft KG« eine von der sowjetischen Militärverwaltung ausgestellte Verlagslizenz. Nach der Ausreise des Urenkels Martin Giesecke nach Westdeutschland nahm der Verlag B. G. Teubner im Jahr 1953 die Verlagstätigkeit in Stuttgart wieder auf. Die Leipziger Verlagsgesellschaft B. G. Teubner wurde noch im selben Jahr unter staatlicher Treuhandschaft weitergeführt. Erst 1991 kam es nach mehr als 40-jähriger Trennung zu einer Wiedervereinigung der Teubner-Firmen. 1999 kaufte schließlich der Medienkonzern Bertelsmann den Verlag und verlegte den Sitz nach Wiesbaden.

 

Zu den wichtigen Programmbereichen des Teubner-Verlages gehörten wissenschaftliche Publikationen aus den Fachgebieten Altertumswissenschaft, Mathematik, Chemie, Physik, Informatik, Geografie, Ingenieurwissenschaft sowie Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauwesen. Bis 1989 befand sich darüber hinaus die Akademische Verlagsgesellschaft Geest & Portig KG in dem Gebäude, die in der DDR zu einem der führenden Fachverlage für naturwissenschaftliche Fächer wurde. Nach wechselnden Mietern bezog schließlich im Herbst 1998 das Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur nach umfangreichen Umbauarbeiten die Räumlichkeiten in der Goldschmidtstraße 28. Neben der Forschungsarbeit finden hier zahlreiche akademische Veranstaltungen sowie Sprachkurse und Seminare als Lehrveranstaltungen an der Universität Leipzig statt.