Schriften des Simon-Dubnow-Instituts, Band 5

Markus Kirchhoff:
Text zu Land.
Palästina im wissenschaftlichen

Diskurs 1865–1920

 

 

 

425 Seiten mit 13 Abb., gebunden

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2005

ISBN 978-3-525-36983-8

Preis: 57,00 € (D)

 

 

 

 

 

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Im Vordergrund dieser Studie steht die christliche, vorwiegend protestantische Erforschung Palästinas im 19. Jahrhundert, aber auch die jüdische Beteiligung hieran. Markus Kirchhoff zeigt, wie das Land durch Geschichtsforschung, Archäologie, Geographie und Ethnographie neu verortet wurde. An die Stelle vieler Legenden und immer wieder erzählter Geschichten – der »legendären Topographie« des Heiligen Landes (Maurice Halbwachs) – sollten nun wissenschaftlich gesicherte Kenntnisse treten. Palästina wurde vor allem als biblisches Land, als der Handlungsort des Alten und Neuen Testaments vermessen. Dieses Unterfangen war Ausdruck eines christlichen wie jüdischen Selbstverständnisses, das sich den Herausforderungen der modernen Welt stellte und die wissenschaftliche Sichtweise eben auch auf dieses Land anzuwenden suchte. Zudem war die Erforschung Palästinas von politischer Relevanz – für den Zionismus ebenso wie für die britische Politik: Beide verband die Motivation, die historische Geographie Palästinas als politische Geographie »wieder« zu realisieren.

 

Der erste Teil des Buchs umreißt den politischen und kulturellen Rahmen der Palästinaforschung. Eine Kontrastierung erfolgt durch den Blick auf die Bedeutung des antiken und des modernen Hellas seit der Aufklärung und der Klassik. Dem schließt sich die Bestimmung des kultur- wie diplomatiegeschichtlichen Ortes Griechenlands und Palästinas an. Das zunehmende Interesse an Palästina im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wird dann zum Anlass genommen, das kollektive (oder kulturelle) Gedächtnis bezüglich des Heiligen Landes zu ergründen.

 

Der zweite Teil des Buches thematisiert in eigenen Kapiteln die Institutionalisierung der Palästinaforschung sowie ihre wichtigsten Disziplinen Archäologie, Geographie und Ethnographie. Hinzu kommen Untersuchungen zur jüdischen Partizipation an der Palästinaforschung und zur zionistischen Adaption ihrer Ergebnisse.

 

Der dritte Teil greift das Verhältnis von Wissenschaft und Diplomatie, nun für die Jahre unmittelbar vor und nach der Etablierung des Palästina-Mandats, wieder auf. Während des Ersten Weltkriegs verdichtete sich die Ansicht, dass es nach dem Untergang des Osmanischen Reichs »Palästina« als Staat geben solle. Historische Landeskunde wurde nun in politische Geographie überführt. In der Schlussbetrachtung wird dieses komplexe Verhältnis von Wissenschaft und Politik bei der Etablierung Palästinas eingehend analysiert.