Schriften des Simon-Dubnow-Instituts, Band 3

Katrin Steffen:
Jüdische Polonität.
Ethnizität und Nation im Spiegel

der polnischsprachigen jüdischen Presse 1918-1939

 

 

 

422 Seiten, Leinen mit Schutzumschlag

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2004

ISBN 978-3-525-36981-4

Preis: 57,00 € (D)

 

 

 

 

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Zur Zeit der Zweiten Republik erschien in Polen ein breites Spektrum jüdischer Zeitungen und Zeitschriften, die Mehrzahl von ihnen jiddischsprachig. Daneben existierte aber auch eine jüdische Presse in polnischer Sprache, die sich in den städtischen Zentren Warschau, Krakau und Lemberg konzentrierte. Verbreitet war sie innerhalb einer säkularisierten, jüdisch-bürgerlichen Schicht und unter Vertretern der Intelligenz, die zwar polonisiert waren, sich aber in nationaler Hinsicht eher zionistischem Gedankengut verpflichtet fühlten.

 

Katrin Steffen geht der Frage nach, wie sich der in dieser Presse konstruierte Identitätsentwurf einer »jüdischen Polonität« manifestierte, in dem sich die Ablehnung von Assimilation mit nationaler Loyalität, staatsbürgerliche Gleichheit mit kultureller Differenz verband. Jüdische Traditionen in Polen wurden in diesem Entwurf mit nationalen Traditionen Polens verwoben und als gemeinsamer Kampf für Freiheit und Demokratie gedeutet. Zu einer Zeit, in der Juden mit starken Ausgrenzungstendenzen konfrontiert waren, konnte dieses Konzept als kommunikative Brücke zwischen jüdischen und nichtjüdischen Polen verstanden werden. Insofern erweist sich die jüdisch-polnische Presse mit ihrem Entwurf einer »jüdischen Polonität« als Mittler an der Grenze zwischen polnischer und jüdischer Kultur.