Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2019/20

Master Geschichte, Schwerpunktmodul 03-HIS-0410 »Europäische Geschichte der Juden«

Zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden.

 

Die Veranstaltungen bilden das Modul »Europäische Geschichte der Juden« (03-HIS-0410) im Studiengang Master of Arts »Mittlere und Neuere Geschichte« am Historischen Seminar. Zum Modul gehören zwei Seminare, die aus dem Angebot entsprechend kombiniert werden; insgesamt 4 Semesterwochenstunden. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudienganges »European Studies« des Instituts für Kulturwissenschaften, der Buchwissenschaft und nach Absprache der Juristenfakultät der Universität Leipzig. Zudem sind die Lehrveranstaltungen Teil des Lehrangebots für Studierende des Masterstudienganges »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

 

Jüdische Verlagskulturen. Buchgeschichte als Wissensgeschichte

 

Dozent: Dr. Arndt Engelhardt

Seminar

Zeit: Dienstag, 11.15-12.45 Uhr (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: 29.10.2019

 

Beschreibung: Seit der Antike regulierten Heilige Schriften die jüdischen Lebenswelten. In der Moderne veränderten sich die materiellen Bedingungen in der Diaspora und ein jüdisches Verlagswesen entstand. Im 19. Jahrhundert bildete sich eine Öffentlichkeit heraus, in der traditionelles Wissen neu definiert und säkulare Elemente inkorporiert wurden. Es etablierten sich neue Kommunikationsräume und miteinander konkurrierende Kanonsysteme des Wissens, in denen Fragen der Zugehörigkeit verhandelt wurden. Im Seminar sollen jüdische Verlage als Agenten eines politischen, sozialen und kulturellen Wandels untersucht werden, der die Emanzipation unmittelbar begleitete. Damit wird die jüdische Verlagsgeschichte als ein Feld für das Verständnis der Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt, das von modernen Technologien und Wissensbeständen bestimmt wurde.

 

Literatur: Zeev Gries, The Book in the Jewish World, 1700–1900, Oxford/Portland 2007; Karen Auerbach, »Verlagswesen«, in: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, hg. von Dan Diner, 2016; Kenneth B. Moss, »Printing and Publishing after 1800«, in: YIVO Encyclopedia of Jews in Eastern Europe.

 

Seminartexte werden in Form eines Readers zur Verfügung gestellt.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Texte und zur Übernahme eines Referats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

 

Schauprozesse. Hintergründe, Funktionen, Auswirkungen

 

Dozent: PD Dr. Jan Gerber

Seminar

Zeit: Donnerstag, 11.15-12.45 Uhr (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: 17.10.2019

 

Beschreibung: Zu Beginn des Kalten Krieges wurde das östliche Europa von einer Reihe aufsehenerregender Schauprozesse durchzogen, mit denen an die Moskauer Prozesse der 1930er Jahre angeknüpft wurde. Den Höhepunkt bildete das Slánský-Tribunal im November 1952 in Prag. Rudolf Slánský, der frühere Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, und 13 weitere hochrangige Funktionäre des Partei- und Staatsapparats wurden angeklagt, sich gegen die volksdemokratische Ordnung verschworen zu haben. Den Dreh- und Angelpunkt des Prozesses bildete der Begriff des „Kosmopolitismus“, der eine tödliche Wirkung entfaltete. Elf der Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, drei erhielten lebenslange Freiheitsstrafen. Der Begriff des „Kosmopolitismus“ diente in den Auseinandersetzungen, die nach dem Bruch zwischen Stalin und Tito innerhalb der kommunistischen Parteien geführt wurden, als Deckbezeichnung für die jüdische Herkunft der als gegnerisch ausgemachten Kader. Im Slánský-Prozess wurde schließlich offen darauf verwiesen, dass elf der Angeklagten aus jüdischen Familien kamen.

 

Im Rahmen des Seminars soll sich den Ereignissen der Jahre 1949 bis 1953 in wort-, ereignis-und ideologiegeschichtlicher Weise zugewandt werden. Dabei wird der Prager Slánský-Prozess im Vordergrund stehen, ohne dass die anderen Fälle im politischen Osteuropa – der Rajk- und der Kostow-Prozess in Budapest und Sofia, der Geheimprozess gegen die führenden Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees in Moskau oder der Merker-Prozess in Ostberlin – vernachlässigt werden. Das Seminar wird sich zudem den Voraussetzungen wie den Nachwirkungen dieser Ereignisse widmen. Dazu gehören die Exilgeschichte kommunistischer Kader, die Frühgeschichte des Kalten Krieges, die Nationalisierung des volksdemokratischen Kommunismus und die Bedeutung antisemitischer Weltbilder.

 

Literatur: Einführende Texte werden zu Beginn des Semesters bereitgestellt.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Lektüre und Mitarbeit in englischer Sprache.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Ausstellen: Deutscher Kolonialrassismus und nationalsozialistischer Antisemitismus

 

Dozenten: Prof. Dr. Raphael Gross, Fritz Backhaus

Seminar

Termine als Blockveranstaltung: 29.11.2019, 10.30 bis 17.30 Uhr/30.01.2020, 10.30 bis 16.30 Uhr/31.01.2020, 10.30 bis 14.30 Uhr

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: 29.11.2019

 

Beschreibung: Das Seminar wird darüber handeln, wie man rassistische und antisemitische Einstellungen und Objekte im Museum präsentiert. Insbesondere wird dabei nach dem historischen Zusammenhang zwischen Antisemitismus und kolonialem Rassismus gefragt. Diese Diskussion ist zentral für die neue Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums: wie soll hier künftig die deutsche Kolonialgeschichte präsentiert werden? Und in welchem Verhältnis wird dazu die NS-Geschichte und die Shoah dargestellt werden? Texte von Hannah Arendt, George L. Mosse und neuere historische Literatur wird dabei herangezogen. Insbesondere werden wir aber auch viel mit Objekten arbeiten.

 

Literatur: George L. Mosse, Die Geschichte des Rassismus in Europa, Frankfurt a. M. 1990; Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge Totaler Herrschaft, München 1986; Anna Danilina, Die moralische Ökonomie der »inneren Kolonie«. Genossenschaft, Reform und Rasse in der deutschen Siedlungsbewegung (1893–1926), in: Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 26 (2019): Moral Economies, 103–132; Pascal Grosse, What Does German Colonialism Have to Do with National Socialism? A Conceptual Framework, in: Eric Ames u. a. (Hg.), Germany’s Colonial Pasts, London 2005, 115–134.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats. Themen dazu werden in einer Einführungssitzung am 29.11.2019 vergeben.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Einschreibemodalitäten: Die Einschreibung erfolgt über die Plattform AlmaWeb. Bei Fragen: sebastian.hauck(at)uni-leipzig.de

 

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes

 

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, 03-HIS-0312/03-HIS-0511, offen für Wahlbereich

Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit

 

Umbrüche und Neuanfänge. Juden in Staatsgründungsprozessen des 20. Jahrhunderts

 

Dozenten: Prof. Dr. Jörg Deventer/Dr. Markus Kirchhoff

Kolloquium

Zeit: Donnerstag, 17.15–18.45 Uhr (vierzehntäglich)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Goldschmidtstr. 28

 

Beschreibung: Die Entstehung zahlreicher unabhängiger neuer Staaten gehört zu den Vorgängen, die das 20. Jahrhundert in entscheidender Weise prägten. Das Forschungskolloquium widmet sich anhand von Fallbeispielen ausgewählten, mit Nationsbildungs- und Staatsgründungsprozessen in Zusammenhang stehenden jüdischen Aspekten und Fragen.

 

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Bildung neuer Staatswesen im mittel- und osteuropäischen Raum bis hinein in den Vorderen Orient nach dem Ersten Weltkrieg. Von besonderem Interesse sind hierbei die Konsequenzen, die sich für Juden und andere Minderheiten in den aus den Vielvölkerreichen der Habsburger, Romanovs und Osmanen hervorgegangenen neuen Staaten ergaben.

 

Einen zweiten Schwerpunkt bilden Staatsgründungen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – und die Frage, inwiefern diese die Erfahrungen der Zwischenkriegszeit und des Holocausts reflektierten.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

 

Informationen zu Terminen und Vortragenden finden Sie in Kürze hier.

 

 

Einschreibung: Die Einschreibung erfolgt über die Plattform AlmaWeb. Bei Fragen: sebastian.hauck(at)uni-leipzig.de

 

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes