Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/2018

Schwerpunktmodul 03-HIS-0410 »Europäische Geschichte der Juden« (zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden)

Die beiden Veranstaltungen bilden das Modul »Europäische Geschichte der Juden« (03-HIS-0410) im Studiengang Master of Arts »Mittlere und Neuere Geschichte« am Historischen Seminar. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudienganges »European Studies« und der bisherigen Magister- und Lehramtsstudiengänge des Historischen Seminars, des Instituts für Kulturwissenschaften und des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Die Lehrveranstaltungen sind offen für Studierende des Masterstudiengangs »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

 

Die Entstehung des modernen Flüchtlingsrechts. Jüdische Migration und Flucht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Dozentinnen: Dr. Elisabeth Gallas/Martin Jost, M. A.

Seminar

Zeit: Montag, 15.15–16.45 (2 SWS)

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: Montag, 9. Oktober 2017

 

Beschreibung: Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 etablierte erstmals allgemein verbindliche Normen für den Umgang mit Geflüchteten. Sie war das Ergebnis eines Prozesses, der maßgeblich nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, des Russischen Reiches und des Osmanischen Reiches eingesetzt hatte, als sich die internationale Staatengemeinschaft mit hunderttausenden Flüchtlingen und Migrant(inn)en konfrontiert sah. Die daraufhin international etablierten Partikularrechte erwiesen sich in den 1930er Jahren, vor dem Hintergrund des Machtantritts der Nationalsozialisten und der danach einsetzenden Vertreibung und Flucht, als unzureichend. In der Zeit zwischen 1917 und 1951 durchlebten insbesondere Jüdinnen und Juden als »Flüchtlinge par excellence« (Salomon Adler-Rudel) spezifische Formen der Zwangsmigration, der Existenz im Transit und des Transfers. Im Seminar sollen anhand dieser Gruppe zentrale historische Aspekte der allgemeinen Flüchtlingspolitik wie die Definition des Flüchtlings, seine Rechtsstellung und Formen sich institutionalisierender Hilfeleistung im Spannungsfeld von nationaler Souveränität und Staatenlosigkeit erarbeitet werden. Parallel dazu sollen Ursachen, Bedingungen und Hindernisse von Migration und Flucht analysiert, individuelle und kollektive Erfahrungen an verschiedenen Orten in Europa in den Blick genommen und frühe Theoriebildung, von jüdischen Rechtsgelehrten und politischen Theoretiker(inn)en wie Hannah Arendt und Jacob Robinson, in ihrem zeitgenössischen Kontext reflektiert werden.

 

Literatur: Michael R. Marrus, Die Unerwünschten – The Unwanted. Europäische Flüchtlinge im 20. Jahrhundert, Berlin u. a. 1999.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Das Jahrhundert der Intellektuellen –
Deutsch-französische Grenzgänge

Dozent: PD Dr. Jan Gerber

Seminar

Zeit: Donnerstag, 11.15–12.45 (2 SWS) 

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: Donnerstag, 19. Oktober 2017

 

Beschreibung: Der Begriff des Intellektuellen war im 20. Jahrhundert ein fester Bestandteil der politischen Kultur Frankreichs. Zunächst ein Schimpfwort, mit dem rechtskonservative Kreise die Fürsprecher des jüdischen Artilleriehauptmanns Alfred Dreyfus belegten, nutzten viele Wissenschaftler, Schriftsteller und andere Künstler die Bezeichnung bald als Ehrentitel. In Deutschland konnte der Begriff dagegen lange Zeit nicht heimisch werden; wenn er verwendet wurde, dann oft mit jenem despektierlichen Unterton, der sein erstes Auftreten begleitet hatte. Als Intellektuelle galten oft weniger diejenigen, die, wie Thomas Jung und Stefan Müller-Dohm in ihrer »Soziologie des Intellektuellen« festhalten, »als Einzelpersonen stellvertretend für alle Kritik äußern«, als vermeintliche Querulanten, Unruhestifter und Außenseiter. Oft wurde dem Begriff des Intellektuellen das Wort »jüdisch« beigesellt. Im Rahmen des Seminars soll nicht nur die Entstehung der modernen Intellektuellen, sondern auch die begriffliche Bedeutungsverschiebung im deutsch-französischen Grenzverkehr betrachtet werden. Anhand von französischen und deutschen Debatten wird dem Wirken einzelner Intellektueller, darunter Albert Camus, Raymond Aron, Hannah Arendt, Jean Améry und Theodor W. Adorno, ebenso nachgegangen wie den historischen und politischen Rahmenbedingungen ihres Handelns.

 

Da das Seminar als Lektürekurs konzipiert ist und somit Primärquellen die Grundlage für die Seminardiskussionen wie auch für den schriftlichen Leistungsnachweis sein werden, ist die vorbereitende Lektüre Voraussetzung für die Teilnahme.

 

Literatur: Grundlegende Texte zur Veranstaltung werden zu Beginn des Semesters in einem Semesterapparat in der Bibliothek des DI bereitgestellt.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Hannah Arendt ausstellen

Dozenten: Prof. Dr. Raphael Gross/Dr. Monika Boll

Seminar

Termine des Blockseminar: Freitag, 20. Oktober 2017, 10.00–13.00 Uhr und 14.00–17.30 Uhr; Donnerstag, 25. Januar 2018, 9.00–13.00 Uhr und 14.00–18.00 Uhr; Freitag, 26. Januar 2018, 09.00–13.00 Uhr und 14.00–18.00 Uhr

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28

 

Beschreibung: Hannah Arendt gilt als die Analytikerin, politische Theoretikerin und Philosophin des 20. Jahrhunderts. Sie ist die einzige international rezipierte deutsche Politikwissenschaftlerin, die von Russland bis China, von den USA bis Finnland erforscht wird. Das Seminar soll sich mit der Aufgabe befassen, Arendt als nahezu ikonische Figur, als Persönlichkeit der jüdischen und deutsch-jüdischen Geschichte sowie politischen Ideengeschichte einem breiten Publikum in einer Ausstellung zu vermitteln. Eine Verknüpfung von Theorie und Praxis wird in dem Seminar insofern erfolgen, als dass das Deutsche Historische Museum in Berlin in Zusammenarbeit mit der Seminarleitung eine Ausstellung zu Arendt plant. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden motiviert, nicht nur die zentralen Elemente des Werks Hannah Arendts sowie ihre wesentlichen biografischen Stationen zu studieren, sondern sich auch mit den materiellen Zugängen und Fragen der Musealisierung auseinanderzusetzen.

 

In einer einführenden Sitzung zu Beginn des Semesters werden verschiedene Unterthemen hierzu vorgestellt.

 

Literatur: Hannah Arendt, Zu Besuch in Deutschland. Aus dem Amerik. von Eike Geisel, Berlin 1993 (Amerik.: The Aftermath of Nazi Rule, New York 1950); Wolfgang Heuer, Hannah Arendt. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, 7., aktualisierte Aufl., Reinbek 2004; Elisabeth Young-Bruehl, Hannah Arendt. Leben, Werk und Zeit. Aus dem Amerik. von Hans Günter Holl, Frankfurt a. M. 2004 (Amerik.: New Haven, Conn./London 1982); Arendt-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung, hg. von Wolfgang Heuer und Stefanie Rosenmüller, Stuttgart/Weimar 2011; Hannah Arendt, Ich will verstehen. Selbstauskünfte zu Leben und Werk. Mit einer vollständigen Bibliographie, hg. von Ursula Ludz, München/Zürich 2005 (Neuausgabe; zuerst: München/Zürich 1996).

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referates während des Blockseminars am Ende des Semesters.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

 

Einschreibemodalitäten: Die Einschreibung in die einzelnen Module erfolgt vom 25.09. (12 Uhr) bis zum 29.09.2017 (12 Uhr) online über das Tool. Bei Fragen: sebastian.hauck@uni-leipzig.de.

 

Prüfungsleistungen: Hausarbeit

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, Vertiefungsmodul 03-HIS-0312/03-HIS-0511

 

Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit

Transnationale Verschränkungen – Jüdische Institutionen im 19. und 20. Jahrhundert

Dozenten: Dr. Arndt Engelhardt/Annette Wolf, M. A.

Kolloquium

Zeit: Mittwoch, 17.15–18.45 Uhr (vierzehntäglich)

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Goldschmidtstr. 28

 

Beschreibung: Institutionen eröffnen Handlungsräume und stiften Kontinuität. Dabei steht jedoch – mit Adorno gesprochen – ihre Funktion zur Disposition, die nicht nur der eigenen handlungsleitenden Idee, sondern auch dem Interesse der eigenen Perpetuierung folgt. Angelehnt an eine Institutionengeschichte, die nicht nur nach Strukturen, sondern gleichsam nach Aushandlungsprozessen fragt, soll eine Bandbreite jüdischer Institutionen in den Blick genommen werden. Mit dem Ende der korporativen Struktur jüdischer Gemeinden setzte im langen 19. Jahrhundert eine Institutionalisierungsphase ein, die eine Reihe von politischen, kulturellen und religiösen Vereinigungen sowie Interessenvertretungen hervorbrachte, die angesichts ihres diasporischen und deterritorialen Kontextes eine besondere Bedeutung für die Handlungsräume und -möglichkeiten jüdischer Akteure einnahmen. Mit der Gründung des Staates Israel wandelte sich diese Kondition, behält für die Diaspora jedoch auch im 20. Jahrhundert weiterhin Geltung. Im Forschungskolloquium im Wintersemester 2017/18 wird jener Spannung von nationalen Traditionsbeständen und transnationalen Strukturen für wichtige jüdische Institutionen nachgegangen.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

 

Hier finden Sie in Kürze detaillierte Informationen zu Terminen und Vortragenden.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

 

Einschreibung: Anmeldung per E-Mail bei Marion Hammer (Sekretariat).