Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2020

Verschiebung der Präsenzzeit für Studierende

Bitte beachten Sie bezüglich des Beginns der Lehrveranstaltungen die aktuelle Mitteilung der Universität Leipzig.

 

Weitere Informationen

 

 

 

Wahlpflichtmodul 03-HIS-0218 »Geschichte der Juden in der Neuzeit«

(zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden)

Die beiden Veranstaltungen bilden das Modul »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (03-HIS-0218) im Studiengang Bachelor of Arts »Geschichte« am Historischen Seminar. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudiengangs »European Studies« und der bisherigen Magister- und Lehramtsstudiengänge des Historischen Seminars, des Instituts für Kulturwissenschaften und des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Die Lehrveranstaltungen sind offen für Studierende des Masterstudiengangs »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« der Friedrich Schiller Universität Jena.

 

Restitution und jüdisches Selbstverständnis - Debatten um Rückerstattung nach 1945 und 1989

Dozent: Dr. Philipp Graf

Seminar

Zeit: Mo., 11.15–12.45 Uhr (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28, Leipzig  

 

Beschreibung: Seit geraumer Zeit bringt die Geschichtswissenschaft jüdischen Initiativen im Bereich der rechtlichen Aufarbeitung der NS-Diktatur, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit angestoßen wurden, verstärktes Interesse entgegen. Ein wesentlicher Teil dieser Initiativen galt der Rückgabe oder Entschädigung des von den Nazis geraubten jüdischen Eigentums, dessen geforderte Rückerstattung zwei Eigenarten aufwies: Nach der Vernichtung der europäischen Juden stellte sich zunächst die juristische Frage, wie und an wen Rückerstattungen überhaupt erfolgen konnten, da entsprechende Güter und Vermögen häufig erbenlos geworden waren. Um dem Problem zu begegnen, musste deshalb die rechtliche Anerkennung einer Vertretung erfolgen, die Forderungen im Namen aller Jüdinnen und Juden stellen könnte; damit freilich verbanden sich Diskussionen um die Entstehung eines neuen kollektiven jüdischen Selbstverständnisses nach der Katastrophe. Vom Kalten Krieg lange überlagert, trat die Frage von Restitution nach dem Epochenbruch von 1989/1991 noch einmal neu und insbesondere mit Blick auf die bis dato nicht erfolgte Rückerstattung in Mittel- und Osteuropa wieder an die Oberfläche; zudem löste die Rekonstruktion vormaliger Eigentumsverhältnisse einen Gedächtnisschub aus, der prägenden Einfluss auf die öffentliche Erinnerungskultur wie die wissenschaftliche Erforschung des Holocaust nahm. Beide Hochzeiten der Restitutionsdebatte - die unmittelbare Nachkriegszeit sowie die Zeit nach 1989 - sollen im Seminar verglichen und zusammen diskutiert werden. Zugleich soll über den deutschen Kontext hinaus ein Blick auf die osteuropäische Dimension in dieser Frage geworfen werden.


Literatur: Dan Diner, Art. »Restitution«, in: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Bd. 5, Stuttgart/Weimar 2014, 202–209; Dan Diner/Gotthart Wunberg (Hg.), Restitution and Memory. Material Restoration in Europe, New York u. a. 2007; Constantin Goschler, Schuld und Schulden. Die Politik der Wiedergutmachung für NS-Verfolgte seit 1945, Göttingen 2005; Jan Surmann, Shoah-Erinnerung und Restitution. Die U.S.-Geschichtspolitik am Ende des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2012; Elisabeth Gallas u. a. (Hg.), Contested Heritage. Jewish Cultural Property after 1945, Göttingen 2020.


Geöffnet für Seniorenstudium: nein

Begrenzung der Teilnehmeranzahl: 20 Personen

 

Ausstellen: Karl Marx und Richard Wagner

Dozenten: Prof. Dr. Raphael Gross/Fritz Backhaus/Prof. Dr. Werner Konitzer

Seminar

Zeit: Blockseminar (2 SWS)

Einführung: 15. Mai 2020

Blocksitzung: 02./03. Juli 2020

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28, Leipzig

Beginn der Lehrveranstaltung (Einführungssitzung): 15. Mai 2020

 

Beschreibung: In dem Seminar wird es um zwei Ausstellungen gehen, die in etwa zur gleichen Zeit im Deutschen Historischen Museum gezeigt werden sollen und sich mit der Entstehungsgeschichte und Wirkungsweise von Ideengebäuden befassen, die in Deutschland entstanden sind, aber weltweit Bedeutung erlangt haben - und immer noch haben. Beide Ausstellungen sollen mit der Lebensgeschichte und dem Werk von Karl Marx bzw. Richard Wagner jeweils für sich stehen, dennoch sollen sie einander ergänzen und als aufeinander bezogen verstanden werden können: Sie setzen sich auf je spezifische Weise mit der Moderne auseinander. Und bei beiden historischen Figuren finden sich - bei Marx in dem frühen Aufsatz »zur Judenfrage«, bei Wagner in seinen vielen antisemitischen Schriften, aber auch in seinen Werken - antisemitische bzw. judenfeindliche Äußerungen. Beide Ausstellungen sollen - vor dem Hintergrund eines neuen Modernisierungsschubs in der Gegenwart - dazu beitragen, Werk und Wirken der Protagonisten in den historischen Kontext einzuordnen. Anhand der Leitfrage, wie das Schaffen von Marx und Wagner in Ausstellungen dargestellt werden kann, geht es damit um eine Auseinandersetzung mit Biographie und Wirkungsgeschichte beider Autoren.

Die Veranstaltung findet als Block am 02./03.07.2020 statt. Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats. Themen dazu werden in einer Einführungssitzung am 15.05.2020 vergeben.

 

 

Literatur: Jonathan Sperber, Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert, München 2013; Christina Morina, Die Erfindung des Marxismus. Wie eine Idee die Welt veränderte, München 2017; Michael P. Steinberg, The Trouble with Wagner, Chicago/London 2018.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

Begrenzung der Teilnehmeranzahl: 25 Personen

 

Ambivalent Neighbours. Polish-Jewish Relations after the Holocaust

Dozent: Dr. Yechiel Weizman

Seminar

Zeit: Di., 9.15-10.45 Uhr (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur - Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28, Leipzig 

 

Beschreibung: This seminar examines the interaction between Poles and Jews from the end of the Second World War up to the present. It focuses on the concrete encounter between the post-war Polish society and the Jewish survivors, as well as on the ways in which the Poles have dealt with the memory of the Jews and their extermination since 1945. Analysing the political, cultural, social and psychological aftermath of the Holocaust in Poland from the Polish and the Jewish perspectives, this seminar will investigate issues such as: inter-ethnic violence, property restitution and collective memory.

 

Literatur: Michael Steinlauf, Bondage to the Dead. Poland and the Memory of the Holocaust, Syracuse 1997; Jan T. Gross, Fear. Anti-Semitism in Poland after Auschwitz, New York 2005; Michael Meng, Shattered Spaces. Encountering Jewish Ruins in Postwar Germany and Poland, Cambridge 2011; Erica Lehrer, Jewish Poland Revisited. Heritage Tourism in Unquiet Places, Bloomington 2013.

 

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

Begrenzung der Teilnehmeranzahl: 20 Personen

Voraussetzung: Bereitschaft zur Lektüre und Mitarbeit in englischer Sprache.

 

Einschreibung: siehe zentraler Termin des Historischen Seminars

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes

 

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, Vertiefungsmodul 03-HIS-0312/03-HIS-0511 »Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit«

»Let my People go!« Jüdische Emigration aus der Sowjetunion und Osteuropa während und nach dem Kalten Krieg

 

Die ursprünglich für das Sommersemester 2020 geplante Vortragsreihe wird, um die weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, verschoben und findet voraussichtlich im Wintersemester 2020/2021 statt. Weitere Ankündigungen erfolgen sobald wie möglich.

 

Dozent und Dozentin: Prof. Dr. Jörg Deventer/Dr. Angelique Leszczawski-Schwerk 

Forschungskolloquium

Zeit: Donnerstag, 17.15–18.45 Uhr (vierzehntägig)


Beschreibung: Die Veranstaltung nimmt das 25-jährige Bestehen des Dubnow-Instituts zum Anlass, den Blick auf die jüdische Emigration aus der Sowjetunion und weiteren ost(mittel)europäischen Ländern zwischen den 1960er und 1990er Jahren zu richten und damit die Wirkungen und Rückwirkungen der Auswanderungswellen auf die Jüdischen Studien insbesondere in den USA, Israel und Deutschland näher zu beleuchten.

Der Fokus der Vorträge, die eine breite Kontextualisierung vornehmen, richtet sich auf die Migrationsprozesse aus interdisziplinärer Perspektive. Dabei stehen die Migrationserfahrungen als auch die verschiedenen Fachdisziplinen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Mittelpunkt. Ziel ist es, das Verhältnis von Wissen und Migration sowie die Entwicklungen jüdischer Studien in den jeweiligen Ländern auszuloten.

 

 

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

Detaillierte Informationen zu den Terminen und Referentinnen und Referenten finden Sie in Kürze unter Forschungskolloquium.

 

 

Einschreibemodalitäten: siehe zentraler Termin des Historischen Seminars

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes

 

 

Modul: B.A.-Studiengang 03-HIS-0213 »Geschichte des Kalten Krieges und seiner Überwindung (1945–Gegenwart)« am »Lehrstuhl für Deutsche und Europäische Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts«

Frontstadt Berlin. Eine Kulturgeschichte des Kalten Krieges

Dozenten: PD Dr. Jan Gerber/Felix Pankonin

Seminar

Zeit: Donnerstag, 11.15–12.45 Uhr

Ort: SG SR 302

 

Beschreibung: Dem geteilten Berlin kam im Kalten Krieg eine herausragende Bedeutung zu. Die Stadt war gleichermaßen Brennpunkt der Systemauseinandersetzung, Schaufenster des Westens und Repräsentationsstätte des Realsozialismus. Dies ließ in beiden Teilen der Stadt eine besondere politische Kultur entstehen. In Berlin verdichteten sich die kulturellen Entwicklungen der Zeit und entfalteten doch einen besonderen Charakter. Neben der Gegenwart des Kalten Krieges war jedoch auch die Vergangenheit präsent: Berlin, wo in der Zwischenkriegszeit die größte jüdische Gemeinde Deutschlands existiert hatte, war Ausgangspunkt des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust. Dieser besonderen Konstellation von Gegenwart und Vergangenheit soll im Rahmen des Seminars vermittels zeitgenössischer Filme, Debatten, Ereignisse und Personen nachgegangen werden. Besonderes Augenmerk wird auf Aspekte der Remigration gelegt. Die Kulturgeschichte des Kalten Krieges wird mit der Gedächtnis- und Wirkungsgeschichte des Nationalsozialismus verbunden.