Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2018

Wahlpflichtmodul 03-HIS-0218 »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (zum Modul gehören zwei Seminare, die aus den drei angebotenen ausgewählt werden können; insgesamt 4 Semesterwochenstunden)

 

Die beiden Veranstaltungen bilden das Modul »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (03-HIS-0218) im Studiengang Bachelor of Arts »Geschichte« am Historischen Seminar. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudiengangs »European Studies« und der bisherigen Magister- und Lehramtsstudiengänge des Historischen Seminars, des Instituts für Kulturwissenschaften und des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Die Lehrveranstaltungen sind offen für Studierende des Masterstudiengangs »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« der Friedrich Schiller Universität Jena.

 

Teilhabe, Ausschluss, Vertreibung – Jüdische Gelehrte an der Universität Leipzig

 

Dozenten: Dr. Ulrich Schuster

Seminar

Zeit: Dienstag, 11.15–12.45 (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: Dienstag, 10. April 2018

 

Beschreibung: Im 19. Jahrhundert gehörte das Königreich Sachsen zu den am weitesten industrialisierten Gebieten im deutschsprachigen Raum; nach seiner Eingliederung in das Deutsche Reich erfuhr es einen Modernisierungsschub, der auch die rasante Eintwicklung des Wissenschafts- und Erziehungssystems beförderte. Für Juden brachten die formale rechtliche Gleichstellung sowie neue Einkommens- und Lebensperspektiven einen Wandel der bis dahin vorherrschenden traditionellen Bildung mit sich. Die damit einhergehende Begeisterung für die bürgerliche Wissenskultur war dabei stets mit dem Wunsch verbunden, die weiter bestehende Benachteiligung aufzuheben. Schließlich war Sachsen trotz seiner Modernität politisch und kulturell vornehmlich konservativ und ein Zentrum des Antisemitismus.
Das Seminar beleuchtet anhand exemplarischer Lebenswege jüdischer Gelehrter an der Universität Leipzig Prozesse der Akkulturation und Teilhabe, aber auch des Ausschlusses. Neben bekannten Namen wie Franz Rosenzweig, Martin Buber, Hans Mayer und Ernst Bloch werden Werk und Leben weniger prominenter jüdischer Wissenschaftler behandelt. Die im Seminar erarbeiteten biografischen Skizzen dienen der Vorbereitung einer Online-Ausstellung über jüdische Gelehrte in Sachsen.

 

Literatur: Stephan Wendehorst (Hg.), Bausteiner einer jüdischen Geschichte der Universität Leipzig, Leipzig 2006.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats und zur schriflichen Anfertigung von Kurzbiografien.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

 

Ausstellen: Weimar. Vom Wesen und Wert der Demokratie

 

Dozent: Prof. Dr. Raphael Gross/Dr. Claudia Buchwald
Änderung: Anstelle von Dr. Claudia Buchwald wird Dagi Knellessen, M. A. die Lehrveranstaltung gemeinsam mit Prof. Raphael Gross durchführen.

Seminar

Zeit: Blockseminar (2 SWS)

27. April, 10–13 Uhr und 14–17:30 Uhr

12. und 13. Juli 2018, 9–13 Uhr und 14–18 Uhr

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung (Einführungssitzung): Freitag, 27. April 2018

 

Beschreibung: Angesichts der lang und viel beschworenen »Krise der Demokratie« und ihren aktuellen Herausforderungen wird in der deutschen öffentlichen Debatte die Weimarer Republik häufig als Blaupause für politische Argumentationen genutzt. Der österreichische Rechtstheoretiker Hans Kelsen (1881–1973) setzte sich in seinem 1920 erschienenen Standardwerk Vom Wesen und Wert der Demokratie mit den Grundlagen dieser Herrschaftsform auseinander. Wegweisend waren dabei seine Überlegungen zu Begriffen wie Freiheit, Grundrechte des Einzelnen, Gewaltentrennung und der Abgrenzung von Demokratie gegenüber Monarchie und Diktatur. Ausgehend von diesen Grundannahmen sollen im Seminar der zeithistorische Entstehungskontext und die sich daran anschließenden Ereignisse beleuchtet werden, welche wiederum im Hinblick auf ihre mögliche aktuelle Bedeutung analysiert werden. Da das Deutsche Historische Museum eine Ausstellung zum Thema plant, erhalten die Teilnehmer zudem Gelegenheit, die gewonnenen Erkenntnisse in eine erste Konzeption zu überführen. Im Seminar sollen daher auch einzelne Planungsschritte vermittelt und die Auswahl geeigneter Exponate und zentraler Aussagen diskutiert werden.


Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats. Themen dazu werden in der Einführungssitzung am 27. April 2018 zu Semesterbeginn verteilt.

 

Literatur: Rudolf Aladár Métall, Hans Kelsen. Leben und Werk, Wien 1969; Peter C. Caldwell, Popular Sovereignty and the Crisis of German Constitutional Law. The Theory and Practice of Weimar Constitutionalism, Durham u. a. 1997; Hans Kelsen, Verteidigung der Demokratie. Aufsätze zur Demokratietheorie, ausgew. und hg. von Matthias Jestaedt und Oliver Lepsius, Tübingen 2006; ders., Veröffentlichte Schriften 1905–1910 und Selbstzeugnisse, hg. von Matthias Jestaedt in Kooperation mit dem Hans Kelsen-Institut, Tübingen 2007; Hauke Brunkhorst/Rüdiger Voigt (Hgg.), Rechts-Staat. Staat, internationale Gemeinschaft und Völkerrecht bei Hans Kelsen, Baden-Baden 2008; Tamara Ehs (Hg.), Hans Kelsen. Eine politikwissenschaftliche Einführung, Baden-Baden 2009; Eberhard Kolb/Dirk Schumann, Die Weimarer Republik, München 2013.

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Jüdisches Leben in der DDR

 

Dozenten: Dr. habil. Jeannette van Laak

Seminar

Zeit: Montag, 11.15–12.45 (2 SWS)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: Montag, 9. April 2018

 

Beschreibung: Das Seminar fragt danach, wie und in welcher Form sich jüdisches Leben in der SBZ/DDR organisierte? Dabei gilt es zum einen, jüdische Institutionen wie die Jüdischen Gemeinden in den Blick zu nehmen, zum anderen aber auch darum, exemplarische Lebensgeschichten nachzuverfolgen. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Remigrant_innen liegen, die aus ganz unterschiedlichen Exilstationen nach Deutschland zurückkehrten und sich in der SBZ/DDR niederließen. Man denke an Karola Bloch, an Lea Grundig, an Anna Seghers, Helene Weigel, an Lilly Becher oder an Sibylle Boden-Gerstner.

 

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes

 

Literatur: Michael Brenner (Hg.), Geschichte der Juden in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart, München 2012; Oliver Guez, Heimkehr der Unerwünschten. Eine Geschichte der Juden in Deutschland nach 1945, München u. a. 2011; Karin Hartewig, Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR, Köln 2000; Marita Krauss, Holger Sonnabend (Hg.), Frauen und Migration, Stuttgart 2001; Irmela von der Lühe (Hg.), »Auch in Deutschland waren wir nicht wirklich zu Hause«. Jüdische Remigration nach 1945, Hamburg 2008.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

Einschreibemodalitäten: Siehe zentraler Termin des Historischen Seminars

 

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, Vertiefungsmodul 03-HIS-0312/03-HIS-0511

»Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit«

 

Lucha y Libertad – Juden im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts

 

Dozenten: PD Dr. Jan Gerber/Dipl. Reg.-Wiss. Lukas Böckmann

Forschungskolloquium

Zeit: Donnerstag, 17:15–18:45 Uhr (vierzehntägig)

Ort: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

 

Beschreibung: Lucha y Libertad – Kampf und Freiheit. Dieses Begriffspaar ist wie kaum ein anderes mit dem Zeitgeschehen im Lateinamerika des 20. Jahrhunderts, insbesondere seiner zweiten Hälfte, verbunden. In ihm verdichten sich die emblematischen politischen Entwicklungen dieser Epoche. Während die Rede vom Kampf vor allem die revolutionären, am kubanischen Modell geschulten Bewegungen evoziert, meinte die Forderung nach Freiheit vor allem die nationale Befreiung. Fokussiert sich der Blick jedoch auf die jüdischen Bewohner des Subkontinents, die als Bürger der jungen Nationen, als Protagonisten politischer Bewegungen oder als Mitglieder jüdischer Institutionen tief in die politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der Zeit involviert waren, lässt sich diese Lesart erweitern. Auf der Flucht vor den Verheerungen in Europa hatten sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts Zuflucht in Lateinamerika gefunden. Die dort in Aussicht gestellten bürgerlichen Freiheiten, mit denen insbesondere Argentinien, Brasilien und, wenn auch in geringerem Maße, Mexiko um Einwanderer aus Europa warben, wurden in den folgenden Jahrzehnten jedoch immer wieder infrage gestellt, nicht zuletzt durch die Aufnahmegesellschaften selbst. Vor dem globalgeschichtlichen Hintergrund des Kalten Kriegs und seinem lokalen Nachhall in den diktatorischen Regimes der Region sollen die Interferenzen von prospektiver Freiheit und den Bemühungen um deren Verwirklichung in den Mittelpunkt des Forschungskolloquiums gestellt werden. Vermittelt über aktuelle Forschungsprojekte aus den Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaften sollen die Kernfragen des Gegenstands aufgeworfen und in ihren Erkenntnispotenzialen entwickelt werden.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: ja

 

Hier finden Sie detaillierte Informationen zu den Terminen und Referenten.

 

Einschreibemodalitäten:

Anmeldung per E-Mail bei Marion Hammer: hammer@dubnow.de

 

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur oder anderes