Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

Wahlpflichtmodul 03-HIS-0218 »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (zwei Seminare, insgesamt 4 Semesterwochenstunden)

 

Die beiden Veranstaltungen bilden das Modul »Geschichte der Juden in der Neuzeit« (03-HIS-0218) im Studiengang Bachelor of Arts »Geschichte« am Historischen Seminar. Die Lehrveranstaltungen sind geöffnet für Studierende des Masterstudiengangs »European Studies« und der bisherigen Magister- und Lehramtsstudiengänge des Historischen Seminars, des Instituts für Kulturwissenschaften und des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Leipzig. Die Lehrveranstaltungen sind offen für Studierende des Masterstudiengangs »Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts« der Friedrich Schiller Universität Jena.

 

Ambivalente Angleichung. Grundlinien der Kulturgeschichte der Juden in Deutschland im 19. Jahrhundert

 

Dozenten: Prof. Dr. Jörg Deventer/Stefan Hofmann, M. A.

Seminar

Zeit: Montag, 11.15–12.45 (2 SWS) – teilweise als Blockseminar 

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: Montag, 3. April 2016

 

Beschreibung: Die Geschichte der Juden in den deutschsprachigen Gebieten des 19. Jahrhunderts ist eng mit den Debatten um deren politisch-rechtliche Gleichstellung und der damit verbundenen Forderung der Akkulturation an die sie umgebende Gesellschaft verbunden. In Emanzipationsdebatten war seit dem späten 18. Jahrhundert beständig zunächst die Angleichung der Juden in Sprache, Verhalten, Bildung, Sittlichkeit und Moral gefordert worden. Sobald diese erfolgt sei, könne ihnen die rechtliche Gleichstellung gewährt werden. Dieses konditionale Emanzipationsdenken beförderte tiefgreifende Veränderungen jüdischer Lebenswelten: Große Teile der deutschen Juden strebten nach Verbürgerlichung, Gleichbehandlung und Akzeptanz. Sie wurden am Ideal des Bildungsbürgers gemessen und orientierten sich ihrerseits an diesen Kriterien. Andererseits wurde zur gleichen Zeit angezweifelt, dass Juden überhaupt fähig wären, sich an das bürgerliche Vorbild anzugleichen. Umso stärker die Akkulturation der deutschen Juden voranschritt, umso vehementer geriet deren Ablehnung, die schließlich im modernen Antisemitismus mündete.

 

Das Seminar nimmt diese zwiespältige Entwicklung zum Ausgangspunkt, um sich den Grundlinien der Kulturgeschichte der Juden in Deutschland bis in die 1880er Jahre zu widmen. Es führt in Debatten um Emanzipation und Akkulturation sowie die dadurch ausgelösten Dynamiken ein. Darauf aufbauend wird anhand von ausgewählten Beispielen diskutiert, wie Juden auf diese Entwicklungen reagierten. Dabei werden rechts-, sozial- und kulturhistorische Ansätze miteinander verbunden.

 

Literatur: Michael A. Meyer/ Michael Brenner (Hgg.), Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit, Bd. 2: Emanzipation und Akkulturation. 1780–1871, München 1996; David Sorkin, The Transformation of German Jewry. 1780–1840, New York 1987; Carsten L. Wilke, Art. »Emanzipation«, in: Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig hg. von Dan Diner, Bd. 2, Stuttgart 2012, 219–231.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

 

Sehnsuchtsort Revolution. Über soziale Semantiken im 19. und 20. Jahrhundert

 

Dozent: PD Dr. Jan Gerber

Seminar

Zeit: Donnerstag, 11.15–12.45 (2 SWS)

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Seminarraum EG, Goldschmidtstr. 28

Beginn der Lehrveranstaltung: Donnerstag, 13. April 2016

 

Beschreibung: Nur wenige Jahre nach der Oktoberrevolution erklärte der Soziologe Werner Sombart, dass der Aufstieg des Marxismus nicht mit dessen eigenen Kategorien erklärt werden könne. Neuere Forschungen haben diese Aussage bestätigt: Insbesondere die kommunistischen Organisationen des östlichen Europa waren in der Zwischenkriegszeit weniger proletarische Organisationen als Minoritätenparteien. Sie übten eine besondere Anziehungskraft auf die Angehörigen nationaler Minderheiten aus. Ausgehend von diesem Befund soll der Frage nachgegangen werden, welchen Bedingungen diese Parteien ihren Aufstieg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdankten. Worin bestand die Anziehungskraft, die sie auf junge Juden, aber auch auf die Angehörigen anderer Minoritäten ausübten? Um diese Fragen beantworten zu können, soll zunächst ins 19. Jahrhundert zurückgegangen werden, als die Kategorien der Arbeiterbewegung entstanden. Besonderes Augenmerk wird auf die soziale Semantik von Klasse und Revolution gelegt, die Herkunft durch Zukunft zu ersetzen versprach. Zugleich wird der Blick auf die sozialen und politischen Rahmenbedingungen gelegt, die ein solches Versprechen gerade für Angehörige nationaler Minderheiten attraktiv zu machen schienen.


Da das Seminar als Lektürekurs konzipiert ist und somit Primärquellen die Grundlage für die Seminardiskussionen wie auch für den schriftlichen Leistungsnachweis sein werden, ist die vorbereitende Lektüre Voraussetzung für die Teilnahme.

 

Literatur: Grundlegende Texte zur Veranstaltung werden zu Beginn des Semesters in einem Semesterapparat in der Bibliothek des DI bereitgestellt.

 

Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Voraussetzung der Teilnahme ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats.

 

Geöffnet für Seniorenstudium: nein

 

 

Einschreibemodalitäten:

Die Einschreibung in die einzelnen Module erfolgt online über das Tool vom 20. März, 12:00 Uhr bis 24. März, 12:00: https://almaweb.uni-leipzig.de/einschreibung

 

Prüfungsleistungen: Hausarbeit.

 

 

Bachelor of Arts Geschichte/Master of Arts Mittlere und Neuere Geschichte, Vertiefungsmodul 03-HIS-0312/03-HIS-0511

»Grundprobleme der jüdischen und allgemeinen Geschichte der Neuzeit«

 

Neue Zugänge zur Geschichte der Juden in der DDR

 

Dozenten: N. N./Dr. habil. Jeannette van Laak/Dr. Philipp Graf

Forschungskolloquium

Zeit: Mittwoch, 17 Uhr c.t. – 19 Uhr, vierzehntäglich

Ort: Simon-Dubnow-Institut, Vortragsraum EG, Goldschmidtstraße 28

 

Beschreibung: In jüngster Zeit findet die Geschichte der Juden in der DDR neue akademische Beachtung. Interessierte sich die Forschung in den ersten beiden Jahrzehnten nach der Wiedervereinigung zunächst vornehmlich für die Lebenswege jüdischer Kommunisten sowie für das Verhältnis der SED zu den jüdischen DDR-Bürgern und zum Staat Israel, fragen Vorhaben neueren Datums nun nach den weniger offiziösen Aspekten wie zum Beispiel nach der Lebensrealität in den Jüdischen Gemeinden aber auch nach den individuellen Selbstentwürfen im Spannungsfeld von Sozialismus und jüdischer Herkunft. Wieder andere untersuchen die im Nachhinein überraschend gegenwärtige Präsenz des Holocaust in Literatur, Film und Bildender Kunst des Arbeiter- und Bauernstaats. Das Forschungskolloquium im Sommersemester 2017 greift dieses neue Interesse an der Geschichte der Juden in der DDR auf und gibt in der Vortragsreihe Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte.

 

Geöffnet für Seniorenstudium

 

Hier finden Sie detaillierte Informationen zu den Terminen und Referenten.

 

Einschreibemodalitäten:

Anmeldung per E-Mail bei Marion Hammer: hammer@dubnow.de