Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Forschungsprojekt zu Leo Zuckermann

Vom Verteidiger Georgi Dimitroffs zum Anwalt des jüdischen Volkes.

Der politische Werdegang des jüdischen Juristen Leo Zuckermann (1908–1985)

 

Das Vorhaben untersucht die politischen Verwandlungen des jüdischen Juristen Leo Zuckermann (1908–1985), einem der bedeutendsten Juristen der frühen DDR. Zuckermann wandte sich Ende der 1920er Jahre parallel zu seiner juristischen Ausbildung an der Universität Bonn der sozialistischen Bewegung zu. Während er seine fachliche Expertise in der Zeit seiner Pariser Emigration noch ganz in den Dienst der KPD stellte, entwickelte er ab 1941 im mexikanischen Exil – konfrontiert mit der Nachricht vom Holocaust – eine andere Perspektive: Zunehmend widmete er sich Grundlagen zur Formulierung von Rechtsansprüchen für das kollektiv verfolgte jüdische Volk.

 

Die Untersuchung des politischen Werdegangs von Zuckermann erlaubt einen spezifischen und außergewöhnlichen Blick auf die Geschichte der deutschsprachigen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier lassen sich nicht nur neue Erkenntnisse generieren über die weitverbreitete Annäherung deutschsprachiger Juden an die kommunistische Bewegung und deren Reaktion auf den Holocaust, sondern insbesondere auch über jene „Zwischenzeit“ Ende der 1940er Jahre, als das Selbstverständnis als Kommunist in der SBZ/DDR für einen kurzen Zeitraum offenbar auch die gleichzeitige Identifikation als Jude erlaubte.

 

Das Projekt ist Teil der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschergruppe »Eine neue Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung«.