Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Forschungsprojekt zu Max Horkheimer

Ein letzter Bürger. Eine intellektuelle Biografie Max Horkheimers

 

Max Horkheimer (1895–1973), der neben Theodor W. Adorno wichtigste Begründer der Kritischen Theorie, ist lebens- und geistesgeschichtlich eng mit dem 19. Jahrhundert verbunden, obwohl er im 20. Jahrhundert wirkte. Aus dem Widerspruch zwischen Erfahrungs- und Zeitgeschichte resultiert die diagnostische Kraft seines Denkens. Spezifisch für Horkheimers Denken ist das Festhalten an Erfahrungen und Begriffen des Bürgertums angesichts der Erosion von deren historischen Bedingungen. Durch die Treue zu vergangenen Erfahrungen verändern sich diese selbst: Was habituell als Konservatismus erscheint, erweist sich auf der Ebene des Denkens als Fähigkeit zur Kritik gesellschaftlicher Prozesse. Diesen Zusammenhang vollzieht die Biografie anhand dreier Einschnitte nach: Ausgangs- und Zielpunkt sind Horkheimers Jahre seit der Remigration aus den USA, zunächst als Direktor des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt, sodann die Jahre seines Rückzugs nach Montagnola (Schweiz). Horkheimers Jugend als gegen seine Herkunft revoltierender Sohn des jüdischen Großbürgertums, seine zeitweilige Hinwendung zum Linkssozialismus sowie die Transformation dieser Erfahrungen im Exil werden als Voraussetzungen von Horkheimers spätem Konservatismus rekonstruiert. Dadurch rückt die Adenauer-Ära als Schlüsselepoche seines Denkens und Handelns in den Blick.

 

Das Projekt ist Teil der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschergruppe »Eine neue Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung«.