Gideon Reuveni

Post-Doc/Hebrew University of Jerusalem

Forschungsaufenthalt: 1. April bis 31. Juli 2004

Forschungsprojekt:

Jüdische Bankiers in Mittel- und Ostmitteleuropa im Übergang von der vor- zur frühindustriellen Zeit

 

Ziel des Forschungsprojektes ist die wissenschaftliche Aufarbeitung eines bedeutsamen und bisher vernachlässigten Themenbereichs der jüdischen Geschichte. Mit Hilfe neuer Forschungsmethoden aus den Gebieten der Sozial- und Kulturwissenschaften will das Projekt »Jüdische Identität und Konsumkultur« (Arbeitstitel) die zentralen Problemstellungen der jüdischen Geschichtsschreibung, wie Assimilation und Dissimilation, Antisemitismus und jüdische Identitätsbildung in der Moderne aus neuer Perspektive betrachten.

Im Mittelpunkt das Projekts wird die jüdische Konsumerfahrung in Deutschland in der Zwischenkriegszeit stehen. Dabei wird sich die Untersuchung nicht nur auf den jüdischen Kontext beschränken. Durch eine vergleichende Herangehensweise wird die spezifisch jüdische Erfahrung als Teil der Entstehung der modernen Konsumkultur in Europa in einen breiteren Zusammenhang gestellt. Vor allem die Frage nach den widersprüchlichen Wirkungen der Konsumkultur, die einerseits zur Standardisierung der Gesellschaft führte, anderseits partikularistische Identitäten erzeugte, steht hier im Mittelpunkt. In dieser Hinsicht ist die Untersuchung der jüdischen Konsumkultur für das Verständnis des Charakters und der Entwicklung der Konsumkultur in Europa von eminenter Bedeutung. Das Forschungsprojekt wird zeigen, dass die Entstehung der Konsumkultur eine Situation schuf in der sich Minoritäten wie die Juden in eine Mehrheitsgesellschaft integrieren konnten und gleichzeitig ihre eigene Identität bewahren und immer neu formieren konnten.

Darüber hinaus wird das Projekt die bislang unbeachtete Geschichte vorwiegend (nicht jüdischer) deutscher Firmen beleuchten, die sich in der Zwischenkriegszeit in ihrer Marketingstrategie und ihren Serviceleistungen gezielt an jüdische Konsumenten wandten. Besonders interessant ist dies auch im Hinblick auf die Spannung zwischen den wirtschaftlichen Interessen deutscher Firmen und den antisemitischen Tendenzen dieser Zeit.