Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Forschungsprojekt »Die Konferenz von Évian 1938«

Die Konferenz von Évian 1938. Geschichte und Erinnerung

 

Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die internationale Konferenz in Évian-les-Bains, die in Reaktion auf die europäische Flüchtlingskrise im Juli 1938 vom amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt einberufen wurde. Die Rekonstruktion der Ereignisgeschichte erfolgt aus der Perspektive der jüdischen Akteure und wird im zeitgenössischen Kontext internationaler Flüchtlingspolitik verortet. Die 1930er Jahre werden dabei explizit nicht als »Vorgeschichte des Holocaust« verstanden, sondern als Ereignisraum sui generis, in dem die Delegierten der Konferenz vor einem offenen Zukunftshorizont agierten. Dies bringt eine neue Einschätzung der Ereignisse mit sich: Nicht das in der Forschung betonte Versagen der Staatengemeinschaft steht im Vordergrund, sondern die Dynamiken des hier angestoßenen Verhandlungsprozesses. So kann gezeigt werden, dass in Évian durchaus die Maßgaben internationaler Flüchtlingspolitik in entscheidenden Punkten weiterentwickelt wurden – wenn auch ohne langfristigen Erfolg. Die Bemühungen fanden mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ihr jähes Ende. Ziel der Arbeit ist es, entlang der jüdischen Initiativen und Überlegungen rund um die Évian-Konferenz eine an der historischen Gegenwart orientierte Gesamtschau jüdischer Politik der Zwischenkriegszeit mit Blick auf Migration, Minderheitenstatus und Flüchtlingsrecht vorzunehmen und darüber hinaus den Erinnerungsort Évian innerhalb der jüdischen Geschichte zu beschreiben.

 

Das Forschungsprojekt wird gefördert von der Studienstiftung des deutschen Volkes.