Simon-Dubnow-Institut
für jüdische Geschichte und Kultur an der universität Leipzig

Forschungsprojekt zu Richard Löwenthal

Ein Labour-Man in Berlin – Richard Löwenthal und die SPD

 

Im Mittelpunkt des Dissertationsvorhabens steht Richard Löwenthal, der, obgleich ein bedeutender Intellektueller der deutschen Arbeiterbewegung, heutzutage vielfach vergessen ist. 1908 in Berlin in einem jüdischen Elternhaus geboren, wurde Löwenthal in den 1920er-Jahren Kommunist, der aber bald schon mit der KPD brach. In den 1930er Jahren war Löwenthal gezwungen, nach London ins Exil zu gehen, wo er in einen intensiven Austausch mit führenden Vertretern der Labour-Bewegung trat. 1947 kehrte er nach Deutschland zurück und setzte sich in den folgenden Jahrzehnten für die Westorientierung der deutschen Sozialdemokratie ein. Ziel des Projektes ist es, Löwenthals Teilhabe am Prozess der Westernisierung der SPD entlang ausgewählter Felder seines politischen Engagements zu erschließen. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern sich hier die Prägung Löwenthals zeigt und mit den Entwicklungen der deutschen Sozialdemokratie korrespondiert. Das Forschungsprojekt geht davon aus, dass sich mit Löwenthals biografischen und politischen (Ver-)Wandlungen eine fundamentale weltanschauliche Transformation vollzog. Im Kern, so die Annahme, löste sich Löwenthal im britischen Exil von Überzeugungen, die für die deutsche Arbeiterbewegung typisch waren. Gleichzeitig erfolgte eine Annäherung an die britische Labour-Bewegung. Löwenthals Engagement für die SPD, aber mehr noch seine kritischen Interventionen in die bundesrepublikanische Öffentlichkeit sind nur vor dem Hintergrund dieses Wandels verstehen.

 

Das Projekt ist Teil der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Forschergruppe »Eine neue Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung«.